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WA 10/1 1, 271 f.

Propheten sind, die aus bloßer Eingebung des Heiligen Geistes predigen, die es nicht aus der Schrift oder durch Menschen geschöpft haben, als Moses und Amos waren; und das sind die höchsten und besten, die sind weise, und können andere weise machen, Schrift setzen und auslegen. Der Art sind gewesen fast alle Väter vor und mit Mose, und nach ihm auch viele, sonderlich die Apostel, die da Laien und schlechte ungelehrte Leute, wie Lukas Apost. 4, 13. sagt, der Schrift unkundig waren.

WA 10/1 1, 212 f.

Dermaßen ist auch Christus vor seiner Geburt von Anbeginn und bis ans Ende immer ein Leben und Licht gewesen, und Ieuchtet allezeit in allen Creaturen, in der heiligen Schriftt, durch seine heiligen Menschen, Propheten und Prediger mit Werken und Worten, hat noch nie aufgehört zu leuchten; aber es ist alles finster, da er hin leuchtet, und die Finsternisse begriffen ihn nicht.

WA 10/1 1, 205 (C/173)

Wenn nun das Gnadenlicht kommt, Christus, der lehrt auch, man soll fromm sein und Gott dienen, löscht dasselbige natürliche Licht nicht aus, sondern ficht wider diese Weise und Maß, die die Vernunft gelehrt hat, fromm zu werden und Gott zu dienen, und spricht: Fromm werden sei nicht die Werke thun, sondern in Gott zuvor ohne alle Werke glauben und alsdann Werke thun, und ohne Glauben sei kein Werk gut.

WA 10/1 1, 200

Ja, das natürliche Leben ist ein Stück vom ewigen Leben und ein Anfang, aber es nimmt durch den Tod sein Ende; darum daß es den nicht erkennt und ehrt, von dem es herkommt; dieselbe Sünde schneidet es ab, daß es muß sterben ewiglich. Wiederum, die da glauben und erkennen den, von dem sie leben, sterben nimmermehr; sondern das natürliche Leben wird gestreckt ins ewige Leben, daß es den Tod nimmermehr schmeckt, wie er sagt Joh 8, 52: »Wer mein Wort hält, der wird den Tod nimmer schmecken«, und Joh 11, 25: »Wer an mich glaubet, ob er schon stirbt, so wird er leben.« Dies und dergleichen wird wohl verstanden, so man Christum recht erkennt, wie er den Tod ertödtet und das Leben wiederbracht hat.

WA 10/1 1, 183

Nun laßt uns weiter fahren. Ist das Wort vor allen Creaturen gewesen, und alle Creaturen durch dasselbige worden und geschaffen: so muß es einander Wesen sein denn Creatur. Und ists nicht worden oder geschaffen als die Creatur: so muß es ewig sein und keinen Anfang haben. Denn da alle Dinge anfingen, da war es schon zuvor da, und läßt sich nicht in der Zeit noch Creatur begreifen, sondern schwebt über Zeit und Creatur; ja, Zeit undCreatur werden und fangen dadurch an. So ist das unwidersprechlich: Was nicht zeitlich ist, das muß ewig sein; und was keinen Anfang hat, muß nicht zeitlich sein; und was nicht Creatur ist, muß Gott sein; denn außer Gott und Creatur ist nichts oder kein Wesen. So haben wir aus diesem Text Mosis, daß das Wort Gottes, das im Anfang war, und dadurch die Creaturen worden und gesprochen sind, muß ein ewiger Gott und nicht eine Creatur sein.

WA 10/1 1, 138

Denn wir können Gott für seine Güte und Gnade kein Werk wiedergeben außer das Lob und den Dank. Das geht dann auch von Herzen und braucht nicht viel Orgeln, Glocken und Plärren.

WA 10/1 1, 137 f.

Denn ein christlich Wesen besteht nicht in äußerlich ein Wandel. Er verwandelt auch den Menschen nicht nach seinem äußerlichen Stand, sondern nach dem innerlichen, d.h. es gibt ein andres Herz, einen andern Mut, Willen und Sinn, welche dann eben die gleichen Werk tun, die ein andrer ohn solchen Mut und Willen tut. Denn ein Christ weiß, daß es ganz am Glauben liegt.

WA 10/1 1, 92

Es ist ein kurze Regel: willst du niemand gefallen, so laß dir niemand gefallen; willst du jedermann gefallen, so laß dir jedermann gefallen, nur daß du Gottes Wort nicht drüber lässest. Denn da hört alles Gefallen und Mißfallen auf. Was aber, ohn Gottes Wort zu verlassen, nachgelassen werden kann, das laß, auf daß du jedermann gefällig seiest, und laß dich’s gut dünken vor Gott. So hast du den guten Willen, von dem die Engel singen.

WA 10/1 1, 90

Darum heißt unser Herr Christus ein König des Friedens und ist bedeutet durch den König Salomo, welcher auf deutsch Friedrich heißt. Denn er gibt uns Frieden, inwendig gegen Gott in unserm Gewissen durch den Glauben, der auf ihn gebauet ist, und auswendig gegen die Menschen im irdischen Wandel durch die Liebe. So ist durch ihn allenthalben Fried auf Erden.

WA 10/1 1, 89

Wo soll ich das lernen, daß man den Tod für einen süßen Schlaf halten kann, der sonst so schrecklich ist? Da war Gesetz, Sünd und Satan aus dem Herzen weg. Von diesen hat er nichts gewußt, drum auch nicht vom Tode. Wo Sünd und böses Gewissen ist, da ist der Tod bitter. Soll der Tod ein Schlaf sein, so muß. reine Gerechtigkeit da sein und also Moses mit seinem Gesetz ganz ferne sein.

WA 10/1 1, 88

Das ist die Ehre Gottes. Da soll man auch anheben, auf daß Gott in allen Dingen der Ruhm und die Ehre geben werd, weil er alle Dinge tut, gibt und hat, und niemand sich selber etwas zuschreibe oder anmaße. Denn die Ehre gebührt niemand als allein Gott, lässet sich nicht mit jemand teilen oder zum Gemeingut machen.

WA 10/1 1, 80

Weiter spricht er: »Das werdet ihr zum Zeichen haben: ihr werdet das Kind finden eingewickelt, und in eine Krippe gelegt.« Die Tüchlein sind nichts anderes, denn die heilige Schrift, darin die christliche Wahrheit gewickelt liegt, da findet man den Glauben beschrieben. Denn das Alte Testament hat nichts anderes in sich, denn Christum, wie er vom Evangelio gepredigt ist. Darum sehen wir, wie die Apostel aus der Schrift Zeugniß führen, und bewähren damit alles, was von Christo zu predigen und zu glauben ist.

WA 10/1 1, 79

Evangelium heißt, wie droben im Advent gesagt ist, eine fröhliche Botschaft. Das soll die Predigt im Neuen Testament sein. Wovon lautet denn das Evangelium? Hör zu! Er spricht: »Eine große Freude verkündige ich euch, mein Evangelium sagt von einer großen Freud. Was ist die Freude? Hör weiter! »Euch ist geboren ein Seligmacher, Christus der Herr, zu Bethlehem in der Stadt Davids.« Siehe, da hast du, was das Evangelium sei, nämlich eine fröhliche Predigt von Christus, unserm Seligmacher.

WA 10/1 1, 73 f.

Wenn nu also Christus dein worden ist und du durch ihn in solchem Glauben rein worden bist und dein Erb und Hauptgut empfangen hast, ohn all dein Verdienst, wie du siehst, sondern aus lauter Liebe Gottes, der seines Sohnes Gut und Werk dir zu eigen gibt, dann folgt das Exempel guter Werk, daß du deinem Nächsten auch tust, wie du siehst, daß Christus dir getan hat. Da lernen sich nu die guten Werk von selbst.

WA 10/1 1, 72

Siehe, also nimmt Christus zu sich unsere Geburt von uns und versenkt sie in seiner Geburt, und schenkt uns die seine, daß wir darin rein und neu werden, als wäre sie unser eigen; daß ein jeglicher Christ mag sich dieser Geburt Christi nicht weniger freuen und rühmen, denn als wäre er auch, gleichwie Christus, leiblich von Maria geboren. Wer das nicht glaubt, oder zweifelt, der ist kein Christ.

WA 10/1 1, 72

Siehe, also nimmt Christus unsre Geburt zu sich und versenkt sie in seiner Geburt und schenkt uns die seine, damit wir darin rein und neu werden, als wäre sie unser eigen. Ein jeglicher Christ kann sich dieser Geburt ebensosehr freuen, als wäre auch er gleich wie Christus leiblich von Maria geboren. Wer das nicht glaubt oder zweifelt, der ist kein Christ.

WA 10/1 1, 62

Das Evangelium ist so klar, daß es nicht vielen Auslegens bedarf, sondern es will nur wohl betrachtet, angesehen und tief zu Herzen genommen sein.

WA 9, 669

Und wie viele Augen doch alle die Sonne vollkommen und ganz sehen, wiewohl sie nur einen Glanz von sich gibt, wie jeder diesen Glanz ganz hat und alle zusammen ihn haben, so ist´s auch mit Christus: sie haben ihn alle zusammen und doch hat jeder ihn ganz im Herzen.

WA 9, 625

Zum Glauben muß ein Wort gehören. Darum hat Gott verordnet, das Evangelium zu schreiben. Es soll niemand von sich selber anfangen, sich fromm zu machen durch eigene Vernunft und Werk, sondern das Wort hören und dann glauben und so gerechtfertigt werden.

WA 9, 625

Wenn man nicht den Glauben allein predigt, führet man uns bald auf viele Ding. Und wo man so mannigfaltige Lehren führt und das Gewissen auf allerlei Weise zerteilet, da ist’s schon verloren. Soll das Gewissen aber Fried haben, so muß es sich auf einen einfältigen Grund stützen d.h. auf den Glauben.

WA 9, 519

Dies Kind ist allen gemeinsam. Gott speiset die ganze Welt mit einem kleinen Kinde. Übrig überflüssige Sättigung ist an diesem Kinde zu finden, so groß sind die geheimnisvollen Werke Gottes in ihm. Zeitlich Gut, wenn es zerteilt wird, sättigt etliche. Geistlich Gut aber bleibet unversehrt und sättigt doch alle. Dies Kind bleibet ganz und macht doch alle Herzen satt.

WA 9, 441 f.

Das sag ich darum, daß wir nicht davor erschrecken, dies Kind zu empfangen und Seligkeit bei ihm zu erbitten. Das sei vom sakramentlichen Bedenken des Evangeliums. Dann bedenken wir das Evangelium sakramentlich, wenn die Worte durch den Glauben das in uns wirken, was in ihnen ist. Christus ist geboren: glaube, daß er dir geboren ist, so wirst du wiedergeboren.

WA 9, 441

Darum hat Christus den Menschen angezogen und alles, was zum menschlichen Gemüt gehört, ausgenommen die Sünden, auf daß du nicht erschreckest, sondern ihn mit Gunst und Liebe umfangest und dich trösten und stärken lassest. So muß man Christus allen Menschen vor Augen stellen als den, der gekommen ist, um Heil und Gnade zu schenken.

WA 9, 441

Du sollst wissen, Christus ist auch wahrhaftig ein unwissend Kind und grad so töricht, wie wir als Kinder sind, wie Paulus bezeugt (Phil 2, 6 f.): »Welcher er wohl in göttlicher Gestalt war, war er gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden.« Da spricht er von Christus dem Menschen: ob er wohl Dinge getan, in denen gleichsam ein Strahl der Gottheit aufblitzte, so hat er doch selber eitel Knechtsgestalt d.h. knechtisch Wesen eines, der den Menschen dient, anziehen wollen.

WA 7, 593

Wir wollen satt sein und von allen Dingen genug haben, ehe der Hunger und die Notdurft kommt, und versorgen uns mit Vorrat auf zukünftigen Hunger und zukünftige Notdurft, damit wir Gottes und seiner Werke ja nimmer bedürfen. Was ist das für ein Glaub, wenn man Gott trauet und fühlet und weiß indessen Vorrat, wie man sich helfen kann?

WA 7, 592

Wiederum, was hindert’s die heiligen Väter Abraham, Isaak und Jakob, daß sie reich waren? Was hindert David sein Königstuhl, Daniel seine Gewalt zu Babylonien? Was hindert’s alle, die in hohem Stand oder großem Reichtum waren und noch sind, wenn ihr Herz nichts drauf gibt und nicht das Seine dabei sucht? Salomo spricht Proverb.16 (Spr. 16, 2): »Gott wägt die Geister«, d.h. er richtet nicht nach dem äußerlichen Ansehen und den Formen, darnach, ob sie reich, arm, hoch, niedrig seien, sondern nach dem Geist, wie der sich darin halte.

WA 7, 589

Und wie er die tröstet, die da Unrecht und Schand haben müssen um ihres Rechts, ihrer Wahrheit und ihres Wortes willen, also tröstet er auch, die da Schaden und Übel leiden müssen. Und soviel er diese tröstet, so viel erschreckt er jene. Das muß, aber auch alles im Glauben erkennet und ausgewartet sein.

WA 7, 588 f.

Das sind die giftigsten, schädlichsten Menschen auf Erden. Es ist eine bis in den Herzensgrund tiefe teuflische Hoffart, für die kein Rat mehr ist. Denn sie hören nicht; was man sagt, geht sie nicht an. Sie meinen, es treffe nur die armen Sünder, die gehe solche Lehre an, sie bedürften’s nicht. Johannes nennet sie Schlangengezücht (Lk. 3, 7), Christus auch (Matth. 23, 33).

WA 7, 581 f.

Recht ist ein gut Ding und Gabe Gottes. Wer zweifelt daran? Gottes Wort spricht selbst, Recht sei gut. Und soll ja niemand bekennen, daß seine gute und rechte Sach unrecht oder böse sei, sondern soll eher drüber sterben und alles, was nicht Gott ist, fahren lassen; denn sonst wär Gott und sein Wort verleugnet, der da sagt, Recht sei gut und nicht böse.

WA 7, 577

Es sind viel hochvernünftige Menschen und Philosophen damit umgegangen, daß sie gern gewußt hätten, was doch Gott wäre. Sie haben viel von ihm geschrieben, der eine so, der andre so, aber sind alle drüber verblendet worden und haben den rechten Blick nicht ersehen. Und ist fürwahr das Größte im Himmel und auf Erden, daß man Gott recht erkenne, wenn’s jemand zuteil werden kann.

WA 7, 574 f.

Maria will nicht eine Abgöttin sein. Sie tut nichts, Gott tut alle Ding. Anrufen soll man sie, daß Gott durch ihren Willen gebe und tu, was wir bitten. Also sind auch alle andern Heiligen anzurufen, daß das Werk ja ganz allein Gott bleibe.

WA 7, 562

Die wahren Demütigen sehen nicht auf die Folge der Demut, sondern mit einfältigem Herzen sehen sie auf die geringen Dinge, gehn gern damit um und werden selbst nimmermehr gewahr, daß sie demütig sind.

WA 7, 551

In dieser Figur ist ein Christenmensch abgemalet. Sein Geist ist das Allerheiligste, Gottes Wohnung im finstern Glauben ohn Licht; denn er glaubt, was er nicht siehet noch fühlet noch begreifet. Sein Seel ist das Heilige, da sind sieben Lichter d.h. allerlei Verstand, Unterschied, Wissen und Erkenntnis der leiblichen, sichtlichen Dinge. Sein Körper ist der Hof, der ist jedermann offenbar, daß man sehen kann, was er tut und wie er lebt.

WA 7, 551

Und ist die Vernunft hie das Licht in diesem Hause. Und wo der Geist nicht mit dem Glauben als mit einem höhern Licht es erleuchtet und dies Licht der Vernunft allein regiert, da kann die Seele nimmer ohn Irrtum sein. Denn sie ist zu gering, in göttlichen Dingen zu handeln. Diesen zwei Stücken eignet die Schrift viel Dings zu wie Weisheit und Erkenntnis: die Weisheit dem Geist, die Erkenntnis der Seelen, darnach auch Haß, Liebe, Lust, Greuel und desgleichen.

WA 7, 550

Denn es ist kein Menschenwerk, Gott mit Freuden loben. Es ist mehr ein fröhlich Leiden und allein ein Gotteswerk, daß sich mit Worten nicht lehren, sondern nur durch eigne Erfahrung kennen lässet.

WA 7, 548

Es kann ja niemand Gott loben, er hab ihn denn zuvor lieb. So kann ihn auch niemand lieben, er sei ihm denn aufs lieblichst und allerbest bekannt. Er kann aber nicht also bekannt werden außer durch seine Werk, in uns erzeigt, erfahren und gefühlet. Wo aber erfahren wird, wie er ein solcher Gott ist, der in die Tiefe siehet und nur hilft den Armen, Verachteten, Elenden, Jämmerlichen, Verlassenen und denen, die gar nichts sind, da wird er so herzlich lieb, da geht das Herz über vor Freuden, hüpft und springt vor großem Wohlgefallen, den es in Gott empfangen. Und da ist dann der Heilig Geist, der hat solch überschwänglich Kunst und Lust in einem Augenblick in der Erfahrung gelehret.

WA 7, 547 (A/112)

Denn gleichwie er im Anfang aller Creaturen die Welt aus nichts schuf, davon er Schöpfer und allmächtig heißt, so bleibt er darin, so zu wirken, unverwandelt und sind auch jetzt noch all seine Werke bis ans Ende der Welt so geartet, daß er aus dem, was nichts, gering, verachtet, elend, tot ist, etwas, Köstlichs, Ehrlichs, Seligs und Lebendigs macht, und wiederum alles, was etwas, köstlich, ehrlich, selig und lebendig ist, zu nichts, gering, veracht, elend und sterbend macht.

WA 6, 530

Du mußt mit dem Glauben an die Sakramente anfangen ohne alle Werke, wenn du selig werden willst. Dem Glauben werden die Werke schon folgen, werin du nur den Glauben nicht leicht nimmst. Er ist das herrlichste und schwerste aller Werke. Durch ihn allein wirst du selig, auch wenn du alle andern entbehren müßtest. Denn er ist ein Werk Gottes, kein Menschenwerk, wie Paulus sagt (Eph.2, 8). Die andern Werke tut Gott mit uns und durch uns, dies allein aber tut er in uns und ohne uns.

WA 6, 529 ff.

Wenn darum der Taufe die Abwaschung von den Sünden zugeschrieben wird, so ist das zwar richtig, aber diese Bedeutung ist zu weich und zu lahm, als daß sie die Taufe recht ausdrückte, welche vielmehr ein Symbol des Todes und der Auferstehung ist. Aus diesem Grunde wollte ich gerne, daß man die Täuflinge ganz untertauchte, wie auch das Wort lautet und das Zeichen es andeutet. Nicht daß ichs für nötig halte, aber es wäre schön, wenn das Zeichen einer vollkommenen und vollen Sache auch selber voll und vollkommen wäre, wie es auch ohne Zweifel von Christus eingesetzt ist.

WA 6, 529

Das allerdings kommt vor, daß viele gedankenlos aus dem Schiff ins Meer springen und untergehen, Das sind die, die den Glauben an die Verheißung fahren lassen und sich in die Sünde stürzen. Das Schiff selber aber bleibt unversehrt und fährt seinen Kurs weiter, und wer durch Gnade zum Schiff zurückkehren kann, den wird keine Planke, sondern das feste Schiff selber zum Leben tragen; so tut, wer durch den Glauben zu der festen und bleibenden Verheißung Gottes zurückkehrt.

WA 6, 529

Hieraus siehst du, wie reich ein Christenmensch oder ein Getaufter ist. Auch wenn er will, kann er mit noch so vielen Sünden seine Seligkeit nicht verlieren, außer er will nicht glauben.

WA 6, 508

Ich will aber gern beiderlei Meinung gelten lassen, nur will ich den Gewissen die Angst nehmen, als müsse jemand befürchten, er sei ein Ketzer, wenn er glaubt, daß auf dem Altar wahres Brot und wahrer Wein ist. Vielmehr soll jedermann wissen, daß es ihm ohne Gefahr der Seligkeit frei steht, beides zu meinen zu denken und zu glauben, weil hier keine Glaubensnotwendigkeit vorliegt.

WA 6, 363

So sehen wir: das beste und größte Stück aller Sakramente und der Messe sind die Worte und Gelübde Gottes. Ohne diese sind die Sakramente tot und nichts, gleich wie ein Leib ohne Seele, ein Faß ohne Wein, eine Tasche ohne Geld, eine Figur ohne Erfüllung, ein Buchstabe ohne Geist, eine Scheide ohne Messer und dgl. Darum ist wahr: Wenn wir die Messe halten hören und sehen ohne Worte und Testamente und nur allein auf das Sakrament und Zeichen warten, so wird die Messe nicht zur Hälfte gehalten. Denn Sakrament ohne Testament halten heißt das Futter ohne das Kleinod behalten und gar ungleich geteilt und halbiert.

WA 6, 359

Denn weil wir armen Menschen in den funf Sinnen leben, so müssen wir je wenigstens ein äußerliches Zeichen neben den Worten haben, an das wir uns halten und bei dem wir zusammenkommen können. Doch muß das Zeichen ein Sakrament sein d.h. es muß äußerlich sein und dich geistliche Dinge haben und bedeuten, damit wir durch das Äußerliche ins Geistliche gezogen werden, das Äußerliche mit den Augen des Leibes und das Geistliche, Innerliche mit den Augen des Herzens ergreifen.

WA 6, 355 ff.

Wenn der Mensch zu Gott kommen und etwas von ihm empfangen soll, dann muß es so zugehen, nicht daß der Mensch anfange und den ersten Stein lege, sondern Gott allein muß ohn alles Suchen und Begehren des Menschen zuvorkommen und ihm eine Zusage tun. Und dies Wort Gottes erst ist der Grund und Fels, auf dem sich hernach alle Werke Worte und Gedanken des Menschen bauen. Dies Wort muß der Mensch dankbar aufnehmen und der göttlichen Zusage treulich glauben und ja nicht daran zweifeln, daß es so geschieht, wie Gott zusagt. Diese Treue und dieser Glaube ist Anfang Mitte und Ende aller Werke und aller Gerechtigkeit.

WA 4, 634

Ich meine, die einzige Ursach, warum in der Schrift vom Leben der heiligen Jungfrau nichts vorkommt, ist die, daß wir nicht, wie zu geschehen pflegt, Christus fallen lassen und wo anders unser Heil suchen, da man’s doch am wenigsten soll. Ihn hat er uns zum Feldzeichen gesetzt, daß wir kämpfend auf ihn zu hielten. Denn wenn das Feldzeichen verloren ist, ist’s ums Leben der Kämpfer geschehen. Man mag die Mutter ehren, aber um des Sohnes willen.

WA 2, 778

Und wer getauft wird, der wird zum Tod verurteilt, als spräche der taufende Priester: »Sieh, du bist ein sündiges Fleisch, darum ersäufe ich dich in Gottes Namen und verurteile dich in demselben Namen zum Tod, daß alle deine Sünden mit dir sterben und untergehen.«

WA 2, 752 f.

Darum ist es auch nützlich und nötig, daß die Liebe und Gemeinschaft Christi und aller Heiligen verborgen, unsichtbar und geistlich vor sich gehe und nur das Zeichen, das uns gegeben wird, leiblich sichtbar und äußerlich sei. Denn wenn solche Liebe, Gemeinschaft und Beistand sichtbar wäre wie der Menschen zeitliche Gemeinschaft, dann würden wir dadurch nicht darin gestärkt und geübt, auf die unsichtbaren und ewigen Güter zu trauen oder sie zu begehren, sondern würden vielmehr nur darin geübt, auf zeitliche und sichtbare Güter zu trauen.

WA 2, 749 ff.

Hier kommt nu das dritte Stück des Sakraments, nämlich der Glaube, an dem alles liegt. Denn es ist nicht genug, daß man weiß, was das Sakrament ist und bedeutet. Es ist nicht genug, daß du weißt: es ist eine Gemeinschaft und gnädiger Wechsel und Vermischung unsrer Sünden und Leiden mit Christi und seiner Heiligen Gerechtigkeit, sondern du mußt das auch begehren und fest glauben, du habest es erlangt.

WA 2, 748

Denn gleichwie aus vielen Körnlein zusammengestoßen das Brot gemacht wird und vieler Körner Leiber eines Brotes Leib werden, in dem jedes Körnlein seinen Leib und seine Gestalt verliert und den gemeinsamen Leib des Brotes annimmt, wie desgleichen auch die Weinkörnlein mit Verlust ihrer Gestalt eines gemeinsamen Weins und Tranks Leib werden, so sollen auch wir sein und sind auch wir, wenn wir dies Sakrament recht gebrauchen. Christus mit allen seinen Heiligen nimmt durch seine Liebe unsre Gestalt an, streitet mit uns gegen Sünde Tod und alles Übel.

WA 2, 743

Dies Sakrament in Brot und Wein empfangen heißt also nichts andres als ein gewisses Zeichen dieser Gemeinschaft mit Christus und allen Heiligen und dieser Einverleibung empfangen, gleichwie man einem Bürger ein Zeichen, eine Handschrift oder sonst eine Losung gibt, daß er gewiß ist, daß er einer Stadt Bürger und einer Gemeinde Glied sein soll.

WA 2, 734

Man findet nu viele Leute, die gerne fromm sein und werden wollen. Nu gibts dafür keine kürzere Weise und kürzeren Weg als die Taufe und Taufwerke, d.h. Leiden und Sterben. Weil sie aber das nicht wollen, so ists ein Zeichen, daß sie nicht recht wissen oder begehren, fromm zu werden. Darum hat Gott mancherlei Stände verordnet, in welchen man sich üben und leiden lernen soll, etlichen den Ehestand, andern den geistlichen Stand, andern den regierenden Stand, und hat allen befohlen, Mühe und Arbeit zu haben, damit man das Fleisch töte und an den Tod gewöhne. Denn all denen, die getauft sind, hat die Taufe dieses Lebens Ruhe Frieden und Genüge zu lauter Gift gemacht, weil sie das Werk der Taufe verhindern.

WA 2, 729

Aber in der ersten Geburt sind wir nicht wohl geraten, darum stößt er uns durch den Tod wieder in die Erde und macht uns am jüngsten Tag neu, damit wir dann wohl geraten und ohne Sünde sind. Diesen Rat fangt er in der Taufe an auszuführen, die den Tod und die Auferstehung am jüngsten Tag bedeutet, wie gesagt ist.

WA 2, 728

So ist eines Christenmenschen Leben nichts andres als ein Anfangen, selig zu sterben, von der Taufe an bis ins Grab. Denn Gott will ihn am jüngsten Tag von neu auf anders machen.

WA 2, 727

Das Zeichen besteht darin, daß man den Menschen in dem Namen des Vaters des Sohns und des Heiligen Geistes ins Wasser stößt; aber man läßt ihn nicht darin, sondern hebt ihn wieder heraus. Darum heißt mans: aus der Taufe gehoben. Darum müssen in dem Zeichen alle beiden Stücke sein, das Taufen und das Herausheben.

WA 1, 338

Wer nicht sich selber in Christi Leiden abgemalt sieht, der hat es noch nicht verstanden. Und wer nicht mit sich selber Mitleid bekommt durch das Leiden Christi, der hat vergeblich Mitleid mit Christus. Denn wenn Christus Leid trägt und leidet um dich und du gehst deswegen selbstsicher dahin, als müßtest du nicht auch Mitleid mit dir selber haben, dann bist du ein Narr. Das Mitleid mit Christus mußt du persönlich nehmen: er leidet um deinetwillen, und du solltest nur um seinetwillen und nicht auch um deiner selbst willen leiden?

WA 1, 336

Denn wenn Christus in einem Menschen wohnt, wie sollte der nicht mitweinen, wenn Christus weint, nicht mit Leid tragen, wenn Christus Leid trägt, nicht mitzittern, wenn Christus zittert, nicht mit leiden, wenn Christus leidet? Ein geistlicher Mensch soll sich doch freuen mit den fröhlichen und weinen mit den Weinenden, gefangen sein mit den Gefangenen, verwundet mit den Verwundeten, leiden mit den Leidenden, ja aller Menschen Fühlen und Fallen soll er zum eigenen machen und fühlen und leiden wie sie.

WA 1, 124

WA 1, 125

Selig darum, wer hier in diesem Leben in diesen Dingen sich geübt hat, so daß er, wenn die Todesstunde kommt, gern sterben, den toten Christus in sich bilden und sich ihm gleichmachen kann! Aber auch da gibt’s etliche Flaschmutigen, die wohl sagen: ich will gern sterben, wenn’s der Herr will, und denken nicht daran, ob sie die rechte Demut gegen Christus als Gott, die rechte Ergebung und Geduld gegen ihn als König haben. Drum wird es ihnen gehn nach der Fabel Äsops von dem durchs Alter und von der Arbeit müden Greis: als ihm eine Holzlast gar zu schwer war, rief er den Tod an; aber als er kam und ihn fragte, wozu er ihn gerufen habe, antwortete er: daß du mir die Last aufhebst und mir auf die Schultern legst. Er wollte nämlich nicht sterben, sondern lieber weiter arbeiten.

WA 1, 334

Lerne aus der Passion Christi, was die Welt sei. Denn wie sie mit Christus umging, so geht sie mit der Tugend und mit der Gerechtigkeit Gottes um. Darum sagt Christus vor Pilatus recht, daß sein Reich nicht von dieser Welt sei. Denn die Welt ist das Land seiner Feinde, wie seine Passion anzeigt.