Nenne mir einen, der nicht unzufrieden ist mit dem Seinigen und vielmehr Wohlgefallen habe an dem, was der Herr ihm aufgetragen hat, und desselben mit Fleiß warte. Wir werden die Hirten vor allen heilig sein lassen müssen. Ich zum Exempel soll ein Prediger und Leser sein; aber wenn’s bei mir stünde, ließ ich’s lieber anstehn. Die Schwärmer wiederum sollten schweigen und nicht lehren; aber die können nicht schweigen. Desgleichen soll ich beten und schreiben und bin zu träge dazu. Desgleichen haßt jeder Ratsherr sein Amt und möchte ein jeder lieber ein andres. Der Freie sucht Bindung, der Gebundene sucht los zu werden. Bist du ein Ratsherr oder Richter, so sollst du’s gerne tun. Ein Ehemann, ein König und Herr sollten fleißig sorgen. Aber der Ehemann denkt: o hätt ich kein Weib, o wär ich König oder einer vom Adel! Ein jeder spricht: o wär ich! Aber wir wollen das Evangelium hören: der beste Stand, den du haben kannst, ist der, in dem du bist!
So sind die Engel denn also freundlich und barmherzig, zumal denen, die diesem Kinde glauben. Andern tun sie wohl auch wohl, aber um des Kindeswillen steigen sie vom Himmel nieder. Drum laß deine Augen nirgend anders wohin sehen als auf dieses Kind. Dann freuen sich die Engel und alle Creaturen mit dir, die Nacht·wird zu Licht und predigt den Hirten, die Krippe wird zum Paradies und Himmel, und der Stall stinkt nicht, sondern riecht aufs beste und ist ein Engelsort.
Willst du aber wissen, wie die Engel beschaffen sind, so sieh, wie sie hier beschrieben sind. Du hörst, was sie singen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Aus diesen Worten verstehst du freilich nicht, ob die Engel Fleisch und Bein, Rock und Flügel haben oder nicht, auch nicht, welche Gestalt sie haben. Ist auch überflüssig. Es hat auch noch niemand auf Erden verstanden, was der Menschenleib und seine Seele sei, wie die Augen sehen und die Ohren hören.
Drum soll ein Fürst demütig sein und wissen, daß er kein Tyrann, sondern ein heilsamer Mann sein soll. Was Gewalt hat, sollen Heilande heißen und helfen. Denn Stuhl bedeutet Gewalt, und solche Gewalt soll andern nützen und nicht schaden. Wo sie ihre Macht und Stühle zum Schaden gebrauchen, so sind’s Tyrannen, die Macht und Stuhl zu ihrer Wollust mißbrauchen. Dann nimmt er die Tyrannen vom Stuhl und lässet den Stuhl stehen.
Wir verwerfen äußerliche Ding, jedoch mit Unterschied. Essen, Trinken, Schuhe ist nichts nutz, auch kümmert’s mich nicht, ob einer ein Haus oder ein Weib hat. Wenn du sagen wolltest: wer sich so und so kleidet und ißt, der wird selig, so ists erlogen. Aber ists in Gottes Wort gefaßt, so muß man’s ehren und heilig halten. Denn nu ist’s nicht mehr bloß äußerlich Ding, sondern in Gottes Wort gefaßt.
Äußerlich Ding nützt nichts, es sei denn in Gottes Wort gefaßt. Ist’s aber in Gottes Wort gefaßt, so ist’s ein Edelstein in Gold gefaßt. Desgleichen sprechen sie auch, Taufe und Obrigkeit sei äußerlich Ding. Denk du also: verdrießt’s Gott nicht, daß er sein Wort hängt an Wasser, Brot und Wein, Eltern, welches alles äußerlich Ding ist, so laß dichs auch nicht verdrießen, daß du mit Glauben dran hängst.
Sie sagen, wir hätten einen neuen Gott und eine neue Lehre, sie aber wollen bei dem alten bleiben. So hat man auch damals im jüdischen Volk gesagt: wir wollen glauben wie unsre Väter und dabei bleiben, Johannes aber predigt etwas Neues. Um der gleichen Sache willen hat auch der Prophet Maleachi einen schlechten Leumund gehabt. Dagegen spricht nun dieser Text: er soll die Herzen der Väter bekehren zu den Kindern, d.h. damit sie einmütig das glauben, was auch die Alten geglaubt haben. Es soll nicht ein neuer Glaube und eine neue Lehre sein. Gleichwie auch wir die alte Lehre lehren und keine neue erdichtet haben, sondern Petrus und Paulus haben dasselbe gepredigt.
Dein Gebet ist erhört. Da siehst du, wie das Gebet mehr gibt, als man zu bitten und erflehen wagt. Uns ist befohlen, daß wir’s daher zählen, was wir zu bitten haben. Im Gebet soll man erzäh len, was nötig ist, und das Kind beim Namen nennen: Glauben, selig End, Lehr, Zucht. Aber du hast es für gewiß, daß mehr empfangen wird als im Gebet genannt.
Viele haben dem Johannes Kirchen, Stift und Altäre gebaut; ist eine äußerliche Ehrung gewesen. Die Welt ist durchs Feuer getanzt; es war lauter Götzendienst. So haben sie Johannestag feiern wollen und haben ihn für einen Gott gehalten. Sie haben’s nicht dahin gezogen, wo Lukas es hinzieht, dahin nämlich, daß Dank gesagt werde für Mund, Zunge, Amt und Wort des Johannes.
Wenn du liesest er ist auferstanden, dann setze hinzu: ich mit ihm, du mit ihm, damit solche Auferstehung auf uns bezogen werde und wir auf sie. Wer das nicht lernt, der lernt überhaupt nichts. Darum ist die Lehre des Evangeliums eine andre Lehre als Moses und aller Doktoren Lehre, die nur lehren, wie man leben soll, aber nicht, was uns geschenkt wird. Darum hört ihr, wie der Teufel sich dem widersetzt: er kann alles leiden, nur das nicht, wenn man Christus aufnimmt als ein Geschenk.
Wir müssen unter dem Haufen erfunden werden, für den Christus spricht: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Mache auch unter den Gebeten einen Unterschied wie unter den Werken und Leiden. Unser Gebet ist nichts und wird nicht erhört, wenn es nicht Teil hat an diesem Gebet und unter dies Wörtlein geschrieben ist: vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich muß mich unter die Zahl der Sünder rechnen, für die hier Christus betet.
Fromm zu werden taugt allein der Glaube. Damit sind alle Klöster niedergelegt, denn sie haben den Werken gegeben, was allein dem Glauben zugehört. Gleichermaßen mach einen Unterschied zwischen der Passion Christi und der Passion der Menschen, sie sei wie groß sie auch wolle, eines Diebs Leiden oder eines Pestkranken Leiden. Setze alle Leiden aller Menschen auf einen Haufen und sprich: all diese Leiden vermögen nicht eine einzige tägliche Sünde zu büßen.
Das ist die Christenregel, daß ein Christ seinen Nächsten für seinen Herrn hält. In der Welt ists anders. Freilich, solche Ordnung unter uns anzurichten, ist ein schwierig Ding, weil viele Gottlose unsere Liebe mißbrauchen. Es würde viel Buberei darunter geschehen. Darum hab ich gesagt, ich kanns nicht unter uns anrichten.
Liebe Jünger, ich will euch nicht viel Gebote, Gesetze und Bücher geben, die Liebe allein wird euch wohl lehren, was ihr tun sollt, drum laß ich euch das Exempel des Dienstes, indem ich selber euch diene. Das soll das neue Gebot sein. Dasselbe war auch zu vor schon da, aber nu will er die andern hinwegtun und nur dies eine umfassen. Eh ich eine Mutter lehre, was sie ihrem Kind tun soll, hat sies schon getan. Ihr Herz weiß es besser, als alle Bücher schreiben und predigen könnten. So ist die mütterliche Liebe und so will Christus, daß wir einander dienen.
Da seht ihr, wie der Herr spricht als einer, der scheiden will und ihnen mit Wort und Werken befiehlt, einander zu lieben und zu dienen. Denn das ist die Natur der Liebe, daß sie dient und nicht herrscht. Was man liebt, dem dient man. Darum spricht er: daran wird die Welt erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt und einer dem andern dient.
Ich hab heute vermahnt, daß wir das Sakrament nicht verachten sollen um des Gebots, um der Verheißung und um der Not willen. Und ich ermahne nicht allein euch Alte, sondern auch euch Junge, daß Ihr die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser so auffasset. Mit uns Alten ist es geschehen. Man muß nu die Kinder unterweisen und sie sollen den Diakonen vorsagen, was sie zuhause gelernt haben. Man soll sie dazu anhalten: das tut zu meinem Gedächtnis!, damit sie mit uns Teil daran haben und mit uns beten.
Hunderttausenderlei Sünden und Tode stehn um dich her. Alle Steine, Wasser, Feuer sind voll Tod jeden Augenblick. Alle Bissen, Trünke, Pfade und Tritte sind eine Gefahr deines Lebens. Weib, Kind und du selber stehen in Gefahr des Todes, allerlei Irrtums und Sünden jeden Augenblick. Wohin sollen wir gehen? Zu Christus. Da kommen dir andre Gedanken, so daß du sprichst: ich fühle Sünde Welt und Fleisch nicht, wiewohl ich tief darinnen stecke, gib Gnade, daß ich anders werde!
Überdies hast du nicht allein Gottes Wort, Gebot und Verheißung, sondern auch noch deine Not am Hals, die der Herr ansieht, indem er spricht (Mt. 11, 28): kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Sind das die Heiligen und die Weisen? Die brauchen keine Arznei. Euch rufe ich, spricht Christus, die ihr beladen seid. Solche Last der Sünden, Todesfurcht, Geizes, Fleischs usw. soll mich locken zur Verheißung der Vergebung der Sünden, daß ich freiwillig und gern hinzutrete.
Wenn die Sünden also nicht der Art sind, daß dich die christliche Gemeinde deswegen öffentlich strafen müßte, so sollst du dich nicht vom Sakrament abziehen lassen und soll dirs nicht verwehrt werden, sondern sollst sprechen: ich komme nicht auf meine Würdigkeit, sonst käm ich nie. Ein Kind wird auch nicht zur Taufe gebracht, weils fromm ist. Ich gehe auch nicht zur Beicht auf meine Reinheit hin. Wer nicht den Willen hat, die Gnade zu empfangen, der soll nicht beichten. Wer aber gerne Trost hätte, die Gnade begehrt und gern fromm werden wollte, der gehe zur Taufe, Sakrament und Beicht. Unwürdig sind also die, die sind wie die Korinther, die sich untereinander bissen und verachteten.
Das Werk ist am Kreuz geschehen, aber wenn ich davon hören soll, muß es verkündigt werden. Mit dem bloßen Zusehen am Kreuz erfuhr ichs nie. Es waren dazumal viele beim Kreuz, sie wußten aber nicht, daß daselbst die Vergebung der Sünden verdient ward, bis die Stimme kam und sie zum Kreuz wies. Wenn du das Wort ›für euch‹ vom Kreuz hinwegtust, dann siehst du Christus am Kreuz an wie einen Dieb am Galgen. Die Worte müssen dich lehren, daß es der Heiland ist.
Wenn die Vergebung nicht weiter reicht als am Kreuz, dann ist sie an einem Tag ausgerichtet und ist seine Passion uns nichts nütze. Wie wirds uns aber mitgeteilt? durch den Glauben. Wie erlang ich den Glauben? durch die Worte. Welche Worte? Ihr sollt wissen, daß mein Leib und Blut für euch gegeben sind.
Es haben manche feine Gleichnisse dazu gemacht, um die Leute damit zu reizen, daß die Einfältigen es fassen sollten. Z.B. das Gleichnis vom Spiegel: wenn er zerbricht, so gibt es viele Stücke; und so viele Stücke sind, so viel mal spiegeln sie des Menschen Antlitz wieder. Das ist ein Gleichnis für Kinder, wie Christi Leib in so viele Stücke Brot kommen und dennoch ein ganzer Leib sein kann. Diese Gleichnisse verwarf ich nicht, sie gefallen mir um der Einfältigen willen.
Darnach gehen sie auf das Wort ›Jünger‹ und sagen, Christus habes nur den Jüngern gegeben. Das hab ich nicht gewußt. Lies die Apostelgeschichte! Da wirst du finden, daß Jünger nicht allein die Apostel sind, sondern alle, die an Christus glaubten. Lukas erzählt (Apg. 9, 36): zu Joppe aber war eine Jüngerin. In diesem Wort sind wir alle mitinbegriffen. Da sollten die törichten Köpfe rot werden, daß ein Weib ausdrücklich Jüngerin genannt wird.
