Desgleichen steht Röm. 10 (V. 17) geschrieben: es kommt der Glaube aus der Predigt. Also soll mans predigen, wie Christus sagt, daß alle Menschen Sünder sind und andern Sinnes werden müssen. Wenn sie das geworden sind, folgt auch das andre, daß sie diese Verheißung Christi empfangen.
Wenn Vergebung vorhanden ist, dann ist kein Verdienst mehr da. Wir wissen, was Schenkung ist. Wenn der Herr Lohn gibt, dann ists Verdienst; wenn er etwas schenkt, dann ists Gabe. Christus nennt die Vergebung der Sünden selber: die Sünden sind durch mich vergeben.
Wenn einer 5 Vaterunser betet und eine Kappe anzieht, das Herz aber dasselbe bleibt, so ist das noch keine Buße. Das Herz muß anders, das Herz muß gut sein. Wenn ein Mensch Buße tun will, so geschiehts nicht dadurch, daß er dies oder jenes tut und damit die Buße auf sich nimmt, sondern indem er in seinem Herzen versteht, daß alles verloren ist und Gott nicht gefällt.
Christus war das niemand schuldig, daß er sich hier sehen ließ, viel weniger, daß er mit ihnen aß. Er hat recht natürlich mit ihnen gegessen. Wie er aber verdaut hat, das laß ich fahren, er ist den Jüngern zu Willen gewesen. Zuvor hat er essen müssen. Er wollte Gott nicht versuchen und tat, wie ein Mensch tut. So sollen auch wir tun.
Das siehst du an den Jüngern, die erschrecken, als Christus kommt. Christi Schuld ist das nicht, er macht sie vielmehr fröhlich. Also muß es die Schuld ihres verzweifelten Glaubens sein: sie glaubten nicht, daß er auferstanden sei. Die Regel heißt: wer erschrocken und bestürzt ist, der gebe nicht Gott die Schuld, sondern sich selber, weil er nicht glaubt; je stärker einer glauben kann, daß Christus auferstanden ist, desto sicherer ist er. Hast du noch ein erschrockenes Herz, so ist er in deinem Herzen noch nicht auferstanden und du bist noch einer von den Jüngern, die sich vor dem fürchten, bei dem sie Trost suchen sollen.
Die Jünger fürchten, die Juden könnten zu dieser oder jener Stunde kommen und ihnen tun, wie sie Christus getan hatten. Das ist geschrieben, damit wir sehen sollen, welche Kraft die Auferstehung Christi hat. Wer also erschrocken ist, der trete zu Christus. Es ist freilich ein so hoch Werk, daß es in ein menschlich Herz nicht eingeht. Darum sind auch die Jünger erschrocken, allein weil sie die Juden fürchteten. Sie erschrecken auch vor Christus, denn das Herz ist so klein und die Gabe der Auferstehung groß, daß das Herz sie nicht fassen kann.
Darum geht dies Wort allezeit: warum fürchtest du dich, da ich doch Tod und Sünde, durch welche der Tod regiert, überwunden und diesen Sieg dir geschenkt habe? Der Trost und das Geschenk ist vorhanden, aber das Herz ist so klein, daß es ihn nicht fassen kann.
Das sind seine Apostel, die sind die Augen Christi, die über dem Volk wachen, daß keine Rotten kommen. Denn es ist nicht genug, daß man gut predigen kann, man muß auch wehren. Erstlich wäscht er, zum andern weidet er, zum dritten erhält er. Die Zähne, mit denen wir beißen, sind die Prediger. Sie sind die Zähne Christi, aber sie sind weiß, d.h. die evangelischen Prediger beißen auf eine liebliche freundliche Weise.
Christi Amt ist hier meisterlich beschrieben. Was ist sein Amt? Daß er segnet. Das ist ein ganz andres Amt als des Teufels Amt, welches Sünde und Tod ist. Segnen heißt Sünde und Tod hinwegnehmen und das Leben geben.
Denn das Evangelium spricht: »Christus kommt vom Samen Abrahams, ist wahrer Mensch und Gott, gestorben und auferstanden, hat den Tod überwunden und dies alles uns geschenkt. Wer den aufnimmt, hat den Segen. Durch diese Worte geht ein Segen über alle Verfluchten, die es nicht verdienen. Umsonst wird es gepredigt, umsonst wird es gegeben.«
Also predigt Christus die Predigt, die das mit sich bringt, was Mose geboten hat. Denn das Evangelium spricht: da ist Christus, der alles für dich überwunden hat und es dir schenkt. Dies Wort fordert nicht, sondern schenkt. Das ist eine viel bessere Predigt. Mose spricht: glaube! Christus spricht: hier hast dus!
Ein jeder Fürst hat sein Wappenzeichen. Eine Stadt hat ihr Wappen, ein Mann hat sein Siegel. Christi Zeichen ist nichts andres als die Liebe. Eines Christenmenschen Zeichen ist die Liebe wie der halbe Rautenkranz das Zeichen des Herzogs von Sachsen. Das hat uns Christus vor seinem Sterben befohlen, darum soll mans zu Herzen nehmen. Wo dies Zeichen nicht ist, da ist kein Jünger Christi.
Es ist ein wunderlich Ding, das wir uns merken sollen. Und einer soll sich dem anderen unterwerfen. Christus hätte billig davon können aufgeblasen werden, daß er der Herr aller Engel war. Alle Kreaturen dienen ihm, und dennoch ist er bescheiden. Was tun aber wir elenden Leute? Wenn wir nur ein klein wenig haben, so werden wir stolz. Wenn einer ein wenig mehr in der Schrift weiß, so muß es gleich heraus. Desgleichen ists mit an dem Gaben: wenn der Mensch Gaben hat, so traut er auf sie. Hat er keine, so ist er ängstlich.
Unschätzbar sind die Gaben der Christen. Ihre Vernunft ist erleuchtet, ihre Weisheit ist göttlich. Die Philosophen haben niemals wissen können, ob ein Teufel etwas ist, sie haben nicht gewußt, was Sünde Tod Gerechtigkeit ist, wie ich von der Sünde erlöst werde und woher die Schöpfung gekommen ist. Das alles aber wissen Christen.
»Zum Preis seines Volkes Israel« – er ist den Heiden geschenkt und gegeben, aber zugesagt ist er uns nicht. Verheißen ist er den Juden, Juden haben Christus zuerst aufgenommen und haben ihn hernach gepredigt. Sie sind die Ecksteine, drum heißt Christus ihr Preis. Er ist auch unser Preis, aber dennoch der Juden mehr.
Wo soll ich das lernen, daß man den Tod für einen süßen Schlaf halten kann, der sonst so schrecklich ist? Da war Gesetz, Sünd und Satan aus dem Herzen weg. Von diesen hat er nichts gewußt, drum auch nicht vom Tode. Wo Sünd und böses Gewissen ist, da ist der Tod bitter. Soll der Tod ein Schlaf sein, so muß. reine Gerechtigkeit da sein und also Moses mit seinem Gesetz ganz ferne sein.
Merk zum dritten, daß er hell und klar heraus sagt: Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes Christi. Hörst du, mein lieber Bruder? Das gebrochene oder mit Stücken ausgeteilte Brot ist die Gemeinschaft des Leibes Christi. Es ist, es ist, es ist, sagt er, die Gemeinschaft des Leibes Christi. Was ist aber die Gemeinschaft des Leibes Christi? Es kann nicht anders sein, als daß diejenigen, die das gebrochene Brot nehmen, ein jeglicher sein Stück, in demselben den Leib Christi nehmen.
Da siehest du, wie Gott mit der hohen heiligen Person der Mutter seines Sohns handelt. Obwohl sie aufs höchste von ihm geehrt ist und ihre Freude an dem Sohn über die Maßen groß gewesen ist, wie sie nie eine Mutter gehabt hat, so greift Gott sie dennoch so an und muß sie Ruhm und Trost so sehr verlieren, daß sie nu nicht mehr kann sagen: ich bin des Sohnes Mutter.
So hat er auch mit seiner lieben Mutter gehandelt, so daß sie auch hat müssen erfahren und lernen, wie er seine Heiligen wunderbarlich regieret. Die Evangelien zeigen genugsam, daß Gott sie gar selten hat·sehen und erfahren lassen, was herrlich, köstlich und fröhlich ist. Zum größten Teil hat sie lauter Leiden und Angst erfahren müssen, wie ihr der heilige alte Simeon zuvor geweissagt hatte, zum Vorbild der ganzen Christenheit.
Welche aber nicht von sich selbst herkommen, sondern herzu gebracht werden, wie Christus heißt die Kindlein herzu bringen, deren Glauben befiehl dem, der sie heißt herzu bringen, und taufe sie auf dessen Befehl und sprich: »Herr, du bringst sie her und heißt sie taufen, so wirst du wohl für sie antworten; da verlaß ich mich auf; ich darf sie nicht wegtreiben noch ihnen wehren; haben sie das Wort nicht gehört, dadurch der Glaube kommt, wie es die Alten hören, so hören sie es aber wie die jungen Kindlein.«
Aufs erste müssen wir den Grund lassen fest und gewiß sein, daß niemand selig wird durch anderer Glauben oder Gerechtigkeit, sondern durch seinen eigenen; wiederum niemand verdammt wird um eines anderen Unglaubens oder Sünde, sondern um seines eignen Unglaubens willen, wie das Evangelium hell und klar sagt Marc.16, 16: »Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt«; und Röm. 1, 17: »Der Gerechte wird seines Glaubens leben«; und Joh. 3, 16. 18: »Wer an ihn glaubet, wird nicht verloren werden, sondern hat das ewige Leben.«
Darum bittet der Glaube also, daß ers alles heimstellt dem gnädigen Willen Gottes, obs zu seiner Ehre und unserm Nutz diene, zweifelt nicht daran, Gott werde es geben, oder, so es nicht zu geben ist, daß sein göttlicher Wille aus großer Gnade dasselbige nicht gebe, darum daß er sieht, es sei besser ungegeben.
Das ist es, das ich nun oft gesagt habe, wie der Glaube mache uns zu Herren, die Liebe zu Knechten; ja, durch den Glauben werden wir Götter und theilhaftig göttlicher Natur und Namen, wie Ps. 82, 6. spricht: Ich habe wohl gesagt, ihr seid Götter, und allesamt Kinder des Allerhöchsten. Aber durch die Liebe werden wir den Allerärmsten gleich. Nach dem Glauben dürfen wir nichts und haben volle Genüge; nach der Liebe dienen wir jedermann.
Weil denn nun der Ehestand den Grund und Trost hat, daß er von Gott gestiftet und Gott ihn lieb hat, und Christus ihn selbst so ehrt und tröstet, sollte er billig jedermann lieb und werth sein, und das Herz guter Dinge sein, daß es gewiß ist des Standes, den Gott lieb hat, und fröhlich leiden alles, was darin schwer ist, und wenns noch zehnmal schwerer wäre.
Nun, warum läßt Gott solches seinen Liebsten widerfahren? Freilich nicht ohne Ursache, und geschieht ja nicht aus Zorn oder Ungnade, sondern aus großer Gnade und Güte; damit uns zu zeigen, wie er es in allen Stücken freundlich und väterlich mit uns meine, und wie treulich er für die seinen sorgt und sie also regiert, daß sich ihr Glaube immer je mehr und mehr übe und je stärker und stärker werde.
Siehe, also kann Gott mit seinen Heiligen handeln, daß er ihnen ihre Freude und ihren Trost nimmt, wann er will, und eben damit ihnen höchsten Schrecken macht, von dem sie ihre höchste Freude haben. Desgleichen kann er wiederum von dem die größte Freude geben, das uns am meisten erschrecket.
Denn das ist der Menschen Weisheit, daß sie nichts andres siehet, nach nichts andrem trachtet und begehrt, als was ehrenvoll, hoch und köstlich ist, und wiederum nichts mehr scheut und flieht als Unehre, Verachtung, Leiden und Elend. So kehrets Gott gerade um und treibt das Widerspiel, geht nach menschlichem Verstand und Ansehen mit seinem allerliebsten Sohn so unfreundlich und ärgerlich um als mit keinem Menschen auf Erden, als wär er nicht Gottes oder eines Menschen, sondern des Teufels eigen Kind.
Es bleibet auch in den höchsten Leuten noch viel Schwachheit und Unwissenheit, so daß man über Lehre und Glaubenssachen nicht nach der persönlichen Heiligkeit beurteilen kann, was aus dem Heiligen Geist sei. Denn das kann alles fehlen. Hierher, da Gottes Wort ist, mußt du kommen. Das ist gewiß und fehlet nicht. Da findest du Christus und den Heiligen Geist gewißlich und kannst darauf bestehen und bleiben gegen Sünde, Tod und Hölle.
Das Wort kann wohl ohne die Kirche sein, aber die Kirche nicht ohne das Wort. Durchs Wort wird die Kirche gezeugt. Also mußt du sagen, daß die Kirche geringer ist als das Wort.
Das Wort kann wohl ohne die Kirche sein, aber die Kirche nicht ohne das Wort. Durchs Wort wird die Kirche gezeugt. Also mußt du sagen, daß die Kirche geringer ist als das Wort.
Es ist nicht genug, die Geschichte der Auferstehung zu erzählen, sondern man muß auf die Frucht der Auferstehung kommen. Ich soll nicht nur wissen, daß Christus auferstanden ist, sondern daß das meine Auferstehung ist, wie schon zu Maria gesagt war: sag es meinen Brüdern!
Wenn Christus mein Bruder ist, dann wollt ich gerne wissen, was uns fehlen sollte. Brüder haben gemeinsamen Besitz, einen Vater und ein Erbe, sonst wärens keine Brüder. Und dies Erbe wird durch Teilung nicht geringer, sondern größer, weil es ein geistlich Erbe ist. Das leibliche Erbe verringert sich. Wer aber vom geistlichen einen Teil erhält, der erhält es ganz.
Aber die Vergebung währt, solang du lebst, von da an, da du das Evangelium zum ersten Mal hörst, gleichwie auch die Sonne nicht aufhört, wenn sie begonnen hat, sondern den ganzen Tag leuchtet, so daß alle ihres Lichts teilhaft werden können. Wer in den Keller geht, der ist wohl ihres Lichts beraubt; wenn er aber wieder herauskommt, so hat ers wieder. So währt auch die Vergebung immer und reimt sich nicht allein auf die früheren Sünden.
Die Vergebung der Sünden wird dir angeboten und du kannst die Sünden auf keinem andern Wege loswerden als durch die Vergebung und sein Schenken. Wenn du etwas andres beginnst, so irrst du.
Das ist das Hauptstück: wenn man predigen soll, daß Christus leiden mußte, so folgt, daß alles, was vor ‚der Welt irgendeinen Schein hat, nichts ist. Gott geht nicht mit Worten um, sondern mit Taten. Du mußt durch ihn zur Herrlichkeit kommen und all das Deine muß untergehen. Das ist wieder ein Osterfladen aus diesem Evangelium.
Christus mußte leiden, um in seine Herrlichkeit zu gelangen. Welches ist seine Herrlichkeit? Nicht die, daß er viel Edelsteine und Gold besetzt, sondern daß er den Tod überwindet und uns das ewige Leben gibt.
Zum Beschluß: gleichwie in Christus der Sieg durch Kampf gegangen ist, so auch in uns. Denn wenn seine Auferstehung in uns wirksam werden soll, so kann auch sein Tod nicht ohne Kampf in uns sein.
Außerdem haben wir noch einen Trost im Leiden, daß nämlich Christus hier auch zappelt. Denn wenn wir ihn nicht zappeln sähen, so hät es uns schwach gemacht und wir dächten: o wie tapfer geht er an den Tod, wie bin ich so schwach, ach, ich kann ihm nicht nachfolgen. Darum sagt er: sieh, ich will mich so tief niederwerfen und zappeln, es soll mir viel mehr weh tun als dir, aber mitten in den Ängsten will ich am stärksten sein und überwinden, darum steht fest auf mir, so sollst du auch in Ängsten überwinden. Das heißt die Passion recht gebraucht. So sollen wir auf den Tod gerüstet sein und nirgendwo anders Hilfe erwarten als von Gott.
Alle Ding, die wir glauben, sind so tief verborgen, daß nur der Glaub sie sieht. So hell sind die Augen des Glaubens. Das heißt, ins Finstre gesehen. Man sieht’s nicht, man fühlt’s nicht, aber man glaubt’s. Vernunft kann das nicht fassen, aber der Glaub gehet sicher daher, ja sichrer als wenn wir’s mit den leiblichen Augen sähen.
Wo ist er? Hier bei uns ist er, und hat sich darum in den Himmel gesetzt, damit er nahe bei uns sei. Wir sind bei ihm droben und er bei uns unten. Durch die Predigt kommt er herab und wir kommen durch den Glauben hinauf.
Gott hat mir da ein Wahrzeichen gegeben, damit ich gewiß sein soll, selig zu werden; das hat er mir durch das Evangelium verheißen; denn er hat uns die Worte gegeben, die sind der Brief, und neben den Worten die Taufe, die ist das Siegel, so daß also der Glaube, der das Wort faßt, durch das Zeichen und Siegel gestärkt wird.
Die Taufe ist nicht ein Werk, das wir tun. Sie soll aber deswegen beim Glauben sein, weil Gott haben will, daß der Glaube nicht im Herzen verborgen bleibt, sondern herausbricht, bekannt und vor der Welt offenbar wird. Darum hat er solch äußerlich Zeichen eingesetzt, durch das ein jeder seinen Glauben beweisen und bekennen kann. Dadurch kommt man auch zum heiligen Kreuz; denn wenn der Glaube heimlich im Herzen verborgen bleiben sollte, dann wäre man wohl sicher, daß man das Kreuz nicht tragen und Christus nicht nachfolgen bräuchte.
Es sind viel Leut, die da glauben, daß Christus ein Herr sei, aber nicht, daß er ein Herr aller Ding sei. Z.B. ein Herr des Geldes: der Mensch vertraut ihm nicht, daß er ihn ernähren werd, scharret und kratzet, und wenn ihm Armut zustößt, so lauft er hierhin und dorthin. Desgleichen glaubt er nicht, daß Christus ein Herr sei der Feinde: wenn der Mensch beleidigt wird oder Feinde hat, so läuft er zur Gewalt, daß die sie verhüte. Solche Menschen glauben nicht. Denn glaubten sie, so sprächen sie: Wen sollt ich fürchten? Gott ist mein Vater und Herr, es wird mir nichts geschehen ohne den Willen Gottes.
Zum andern werden wir zum Glauben gereizt durch das, daß der Engel erklärt, wie das Kind ein mächtiger König sein wird. Er wird ein Sohn des Höchsten genannt werden. Je größer wir diesen König machen können, desto mehr wird unser Glaub gestärkt, wenn wir glauben, daß er so mächtig ist. Das geschieht nu, wenn unser Glaub hie von Tag zu Tag je mehr und mehr zunimmt, so daß wir zuletzt gar nicht mehr zweifeln, es sei alles in dem König, wie der Engel von ihm gesagt hat.
So kommt es: das Wort Gottes ist lebendig und der Tod kann’s nicht verschlingen. Es ist ein großer Glaub gewest in dem jungen Maidlein Maria, daß es alle sichtbaren widerstreitenden Ding überwunden hat. Das ist die erste Art und Natur des Glaubens.
Ein Engel ist einer, der für seine Botschaft mit dem Mund wirbt. So steht auch Lk. 9 (V. 52): »Er sandte etliche Engel, die die Herberg bereiteten«, d.h. er sandte aus seine Jünger. Gott hat mancherlei Engel, himmlische Geister und Menschen.
Darum muß er uns einen gewissen Ort anzeigen, da Christus liegt; das ist die Krippe, da findet man ihn gewiß, wenn gleich Joseph und Maria nicht da wären. Das ist soviel gesagt: Christus ist in der Schrift eingewickelt durch und durch, gleichwie der Leib in den Tüchlein. Die Krippe ist nun die Predigt, darin er liegt und gefasst wird, und daraus man Essen und Futter nimmt.
Ja, sprechen sie, die christliche Kirche hat je den Heiligen Geist, der läßt sie nicht irren noch fehlen. Antwort, wie oben gesagt: Die Kirche sei wie sie wolle, so hat sie dennoch noch nicht so viel Geists gehabt als Maria; und wiewohl er sie regiert hat, läßt er sie dennoch auch irren uns zum Exempel.
Das ist aber nun hier der Trost, wie ich gesagt habe, daß sich Christus nicht läßt finden denn im Tempel, das ist, in dem das Gottes ist. Was ist aber Gottes? sind es nicht alle Creaturen? Wahr ists, daß alles Gottes ist: aber eigendich ist es die heilige Schrift und sein Wort; denn das andere alles ist uns gegeben.
Also, wenn uns Gott hat einen feinen starken Glauben gegeben, daß wir daher gehen in starker Zuversicht und sicher sind, daß wir einen gnädigen Gott haben, und auch darauf trotzen können, so sind wir im Paradies.
Also kann unser Herr Gott handeln, daß er uns unsere Freude und Trost nimmt, wann er will, und uns auch damit am meisten erschrecken, davon wir die größte Freude haben; und wiederum, die größte Freude gibt davon, das uns am meisten erschreckt.
Und merke, daß Gott und Menschen widersinnisch fahren. Die Menschen geben zuerst das Beste, darnach das Aergste: Gott zuerst das Kreuz und Leiden, darnach Ehre und Seligkeit.
Ein Christenmensch ist heilig an Leib und See!, er sei Laie oder Pfaff, Mann oder Weib. Wer anders sagt, der lästert die heilige Taufe, Christi Blut und des heiligen Geistes Gnad. Es ist ein groß und seltsam Ding um einen Christen und ist Gott an ihm mehr gelegen als am Sakrament. Denn der Christ ist nicht um des Sakraments willen gemacht, sondern das Sakrament um des Christen willen eingesetzt.
Außerdem haben wir noch einen Trost im Leiden, daß nämlich Christus hier auch zappelt. Denn wenn wir ihn nicht zappeln sähen, so hät es uns schwach gemacht und wir dächten: o wie tapfer geht er an den Tod, wie bin ich so schwach, ach, ich kann ihm nicht nachfolgen. Darum sagt er: sieh, ich will mich so tief niederwerfen und zappeln, es soll mir viel mehr weh tun als dir, aber mitten in den Ängsten will ich am stärksten sein und überwinden, darum steht fest auf mir, so sollst du auch in Ängsten überwinden. Das heißt die Passion recht gebraucht. So sollen wir auf den Tod gerüstet sein und nirgendwoanders Hilfe erwarten als von Gott.
Nu sind wir aber so arme elende Kinder, daß wir nicht willig sterben können. So viel kann man dem freien Willen nicht zugestehen, daß er gern sterbe. Ja, der freie Wille flieht vor dem Tod. Darum geht es mit lauter Sterben und Ermorden zu, wenn wir die Sünde los werden. Aber das beste Sterben ist, wenn sich der Wille drein gibt. Denn wenn sich einmal der Geist darein ergeben hat, so ist der Leib bald gestorben.
Wir stehen jetzt im Tod drinnen. Wenn wir heraus wollen, so müssen wir sterben. Adam wollte sich durch die Strafe nicht abschrecken lassen. Nu kommt GAlso ist Gott unser. Man soll ihn wie ein Bild ansehen. Wo er nicht ist, da muß verderben sein, da hilft nichts. Denn die Natur geht nicht gern daran. Wenn auch die Landsknechte ganz männlich dem Schwert und den Büchsen entgegenlaufen, so ist das doch nur eine Art Verstocktheit. Wenn sie aber getroffen sind und Leib und See! sich scheiden müssen, dann kommt es schon anders. Darum muß man sich an den Geleitsmann und Spitzenführer halten, der spricht: her, tritt in meine Fußstapfen und sieh auf mich, wo ich bleibe, da bleibe du auch. So kommen wir dann hindurch. Den Geleitsmann muß man haben. Darum muß man zum ersten das Bild haben. Das gibt Mut und macht Kraft, daß wir frisch daran gehen.ott und sagt: wohlan, so nimm die Strafe an, so wirst du rein! Also ist der Tod, der zuvor eine Strafe für die Sünde war, jetzt eine Atznei für die Sünde und gebenedeit. Das geschieht, wenn wir willig sterben. Wenn wir nicht willig sterben, so kommen wir nicht aus der Strafe und müssen hintennach ewig sterben.
Wir stehen jetzt im Tod drinnen. Wenn wir heraus wollen, so müssen wir sterben. Adam wollte sich durch die Strafe nicht abschrecken lassen. Nu kommt Gott und sagt: wohlan, so nimm die Strafe an, so wirst du rein! Also ist der Tod, der zuvor eine Strafe für die Sünde war, jetzt eine Atznei für die Sünde und gebenedeit. Das geschieht, wenn wir willig sterben. Wenn wir nicht willig sterben, so kommen wir nicht aus der Strafe und müssen hintennach ewig sterben.
Gott tritt für dich ein und setzt all sein Gut und Blut für dich ein, als spräche er: tritt frisch und kühn hinter mich, laß sehen, was dir schaden kann, laß Teufel Tod Sünd Höll und alle Kreatur hertreten, wenn ich vor dich trete, so will ich dein Schützer und Vordermann sein, trau mir und verlaß dich kecklich auf mich. Wer das glaubt, dem kann weder Teufel Hölle Sünd noch Tod schaden, denn Gott streitet für ihn.
Christus, Gottes Sohn, steht für uns ein und hat alle unsre Sünde auf seinen Hals genommen und ist die ewige Genugtuung für unsre Sünde und versöhnt uns vor Gott dem Vater. Wer diesen Glauben hat, der gehört zu diesem Sakrament, dem kann weder Teufel Hölle noch Sünde schaden. Warum? Gott ist sein Schutz und Rückhalt.
Darum soll dies gleich werden und seine Wohnung nicht verstanden werden nach seiner menschlichen Natur. Denn nach derselbigen ist er gleich worden den Menschen durch seine Geburt von Marien, daselbst ist er in die menschliche Natur kommen und den Menschen nach der Natur gleich worden; sondern es soll verstanden werden nach seinem äußerlichen Wesen und Wandel, daß er Essen, Trinken, Schlafen, Wachen, Arbeit, Ruhe, Haus und Stadt, Gehen und Stehen, Kleid und Gewand, und allen menschlichen Wandel und Geberden auch geführt habe, daß ihn niemand hätte mögen für einen Gott erkennen, wo er nicht durch Johannes und das Evangelium verkündigt wäre.
Und das Bereiten heißt hier, den Weg zurichten, daß aus dem Wege gethan werde, was den Gang des Herrn hindern mag; gleichwie auch noch eines Herrn Knecht vor dem Angesicht seines Herrn Holz, Steine, Leute und alles, was im Wege stände, beiseit thäte. Was ist aber Christo im Wege gelegen, das Johannes sollte beiseite thun? Ohne Zweifel die Sünde, vielmehr aber die guten Werke der hoffährtigen Heiligen, das ist, er solle zu erkennen geben jedermann, daß aller Menschen Werk und Wesen Sünde und Verderben, und Christi Gnade bedürftig sei. Wer das weiß und erkennt gründlich, der ist in sich selbst gedemüthigt und hat Christo den Weg fein zubereitet; davon wir im nächstkünftigen Evangelium wollen weiter handeln. Jetzt ists Zeit, dies Evangelium auch uns nütz zu machen.
Möchtest du aber sagen: »Sind doch in den Evangelien und Episteln Pauli viel Gesetze; wiederum, in Mosis und der Propheten Büchern viel Zusagungen Gottes?« Antwort: »Es ist kein Buch in der Bibel, darin sie nicht beiderlei sind, Gott hat sie allewege beieinander gesetzt, beide Gesetz und Zusagung; denn er lehrt durchs Gesetz, was zu thun ist, und durch die Zusagung, wo mans nehmen soll.«
Darum ist zu merken, daß Lehren auch ein Werk ist, ja, das vornehmste Werk Christi; denn hier unter seinen Werken erzählt er auch, daß den Armen das Evangelium, gepredigt wird. Darum, gleichwie die Tyrannen an den Werken; also auch an der Lehre zu erkennen sind. Wo Christus ist, da wird das Evangelium gewißlich gepredigt; wo es niht gepredigt wird, da ist Christus nicht.
Und er sagte ihnen ein Gleichniß: »Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume, wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr; wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist.« Eitel Trostworte sind das. Er gibt nicht ein Gleichniß vom Herbst oder Winter, da alle Bäume kahl werden und betrübte Zeit angeht; sondern von dem Lenz und Sommer, das eine fröhliche, lustige Zeit ist, da sich alle Creaturen aufthun und fröhlich sind. Damit er je klärlich genug lehrt, daß wir uns des jüngsten Tages sollen mit solcher Lust und Begierde versehen und trösten, als sich alle Creaturen auf den Lenz oder Sommer freuen. Was sollte sonst dies. Gleichniß, wo er das nicht wollte und darin lehren? Er hätte wohl ein anderes gefunden, da solche Lust und Freude nicht ist.
Dazu stimmt das Wörtlein ›Bethphage‹, welches auf Deutsch, als etliche sagen, heißt, Mundhaus; denn Paulus Röm. 1, 2 spricht: »Das Evangelium sei zuvor in der heiligen Schrift verheißen; aber es ward nicht mündlich und öffentlich gepredigr, bis daß Christus kam und sandte die Apostel aus. Darum ist die Kirche ein Mundhaus, nicht ein Federhaus; denn seit Christi Zukunft ist das Evangelium mündlich gepredigt, das zuvor schriftlich in den Büchern verborgen lag.«
Darum lerne hier aus dem Evangelium; wie es zugeht, wenn Gott anfängt uns fromm zu machen, und welches der Anfang sei fromm zu werden. Es ist kein anderer Anfang, denn daß dein König zu dir komme und fange in dir an. Das geht also zu: das Evangelium muß das Allererste sein, das muß gepredigt und gehört werden; in demselbigen hörst du und lernst, wie dein Ding vor Gott nichts sei, und alles Sünde sei, was du thust oder anfängst; sondern dein König müsse in dir zuvor sein und regieren.
Darum höre, wie Christus gute Werke deutet, Matth. 7, 12: »Was ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, dasselbige thut ihr auch ihnen, das ist das Gesetz und die Propheten.« Hörst du hier, was der Inhalt sei des ganzen Gesetzes und aller Propheten? Nicht sollst du Gutes thun Gott und seinen Heiligen, sie dürfens nicht; viel weniger dem Holz und Stein, welchen es nicht nütz noch noth ist:sondern den Leuten, den Leuten, den Leuten. Hörst du nicht? den Leuten sollst du thun alles, was du wolltest dir gethan haben.
Wie hätte Gott seine Güte größer mögen erzeigen, denn daß er sich so tief in Fleisch und Blut senkt, daß er auch die natürliche Heimlichkeit nicht verachtet, und die Natur an dem Ort aufs allerhöchste ehret, da sie in Adam und Eva ist am allerhöchsten zu Schanden worden, daß hinfort auch das nun göttlich, ehrlich und rein ist, das in allen Menschen das ungöttlichste, schamlichste und unreinste ist. Das. sind rechte Gottes Wunderwerke. Wie hätte er auch stärker, kräftiger und reiner Bild der Keuschheit mögen uns vorlegen denn diese Geburt? Wie gar fällt dahin alle böse Lust, alle bösen Gedanken, wie stark sie immer sind, wenn wir nicht mehr thun, denn zusehen dieser Geburt, und bedenken, wie die hohe Majestät so mit ganzem Ernst, so mit überschwänglicher Liebe und Güte wirkt und zu schaffen hat in dem weiblichen Fleisch und Blut dieser Jungfrau.
So steht nun Gottes Dienst darin, daß du Gott erkennest, ehrest, liebest aus ganzem Herzen, alle deine Treu und Zuversicht auf ihn setzest, an seiner Güte nimmer zweifelst, weder im Leben noch Sterben, weder in Sünden noch Wohlthun, wie das erste Gebot lehrt; zu welchem allein durch Christi Verdienst und Blut wir gelangen mögen, der uns solches Herz erworben hat und gibt, wenn wir sein Wort hören und glauben; und die Natur mag ein solch Herz nicht haben von sich selbst.
Ebenso auch, wenn man Gott mit viel Worten, Geschrei und Klang vermeint zu loben, tut man, als wär er taub und wüßte nichts und als wollten wir ihn aufwecken und unterweisen. Ein solcher Wahn von Gott ist mehr zu seiner Schmach und Unehre als zu seinem Lobe.
Christus war auch geistlich der Oberste auf Erden, denn er lehrt jedermann, als ein Lehrer und Meister; aber damit setzte er dennoch seine Person über keinen Menschen, ja, diente ihnen mit allem, das er hatte und vermochte.
Nun, was ist der Stern? Der ist nichts anderes, denn das neue Licht, die Predigt und Evangelium, mündlich und öffentlich gepredigt. Christus hat zwei Zeugnisse seiner Geburt und seines Regiments: eins ist die Schrift oder Wort, in die Buchstaben verfaßt; das andere ist die Stimme oder die Worte durch den Mund ausgerufen. Dasselbe Wort nennt auch St. Paulus 2 Cor. 4, 6 und St. Petrus 2. Ep. 1, 19 ein Licht und Lucern.
Wenn aber die Stunde und Stätte kommt, daß Creatur nicht weiter vermögen zu helfen und alle dein Vermögen zu kurz wird: siehe, da geht alsbald Gottes Wort an.
Zum Glauben gehört vor allen Dingen Gottes Wort, als der Grund und Fels des Glaubens. Darum muß Gottes Versuchen nichts anderes sein, denn mit Gott handeln ohne sein Wort, das ist: so man glaubt, darin er nicht geboten hat zu glauben und kein Wort gesetzt; oder so man nicht glaubt, darin er geboten hat zu glauben und sein Wort gesetzt hat.
Also geht es allezeit in dein christlichen Menschen, daß ihm Gott nach der Anfechtung, so er besteht, so herzlich süß wird und so nahe und klärlich erkannt wird, daß der Mensch nicht allein vergißt der Angst und Anfechtung, sondern auch Lust und Liebe gewinnt zu mehr Anfechtung, und hinfürder stark wird, daß er sich nicht mehr so leicht ärgert an dem ungestalten, unansehnlichen Leben und Wesen Christi. Denn er hat nun geschmeckt und empfunden, daß also müsse zugehen: wer Christum finden will, daß sichs anlasse, als solle er nichts finden denn nur Schande.
Gnade tritt heraus fröhlich in die Finsterniß, folgt dem bloßen Wort und Schrift, es scheine sonst oder so; es dünke die Natur wahr oder falsch, so hält sie am Wort fest.
Die anderen Jünger sind Herodes und sein Volk; denn Herodes forscht nach der Schrift, und glaubt ihr auch und hält sie für die Wahrheit; glaubt auch, daß Christus darin verkündigt und jetzt geboren sei; sonst hätte er dies alles verachtet und nicht solchen Ernst dazu gethan.
Darum, denn Gott will nicht haben, daß du von den Todten lernen und Wahrheit erforschen sollst: er will selbst dein lebendiger, überflüssiger, genugsamer Lehrer sein.
Die Weisen nennt man gemeiniglich die drei Könige, vielleicht nach der Zahl der drei Opfer. Das lassen wir also bleiben bei den Einfältigen; denn nicht große Macht daran gelegen ist. Aber es ist nicht kund, ob ihrer zween, drei, oder wie viele ihrer gewesen sind; doch aus dem reichen Arabia oder Seba sind sie freilich gewesen; das zeigen die Opfer: Gold, Weihrauch und Myrrhen, welche alle drei in demselbigen Lande köstlich sind; und ist nicht zu denken, daß sie es anderswo gekauft haben. Denn es ist der Gebrauch in denselbigen Morgenländern, Geschenke und Verehrung zu thun von des Landes besten Früchten und eigenen Gütern, gleichwie auch Jakob 1 Mos. 43, 11.
Wo ist Christus? Und lassen uns nicht begnügen, sind auch nicht zufrieden, wir hören denn die Schrift, die von ihm sage; lassen uns nichts anfechten, wie groß und heilig Jerusalem sei, wie hoch und mächtig Rom sei. Wir suchen weder Jerusalem noch Rom, sondern den König Christum in seiner Schrift. Wenn wir die haben, so lassen wir Herodes, Priester und Schreiber mit Jerusalem und Rom hinter uns, und folgen ihr, bis wir ihn finden.
Billig ist sein Name heute genannt Jesus, das ist auf Deutsch, Heiland; denn Heiland heißen wir auf Deutsch, der da hilft, erlöset, selig macht und ganz heilbar jedermann ist; denselben nennt die hebräische Sprache, Jesus. Also sprach der Engel Gabriel zu Joseph im Schlaf Matth. 1, 21: »Sie wird einen Sohn gebären, den sollst du Jesus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.« Da legt der Engel selbst aus, warum er Heiland, Jesus heiße, nämlich, daß er seinem ein Heil und Seligkeit ist. Das haben wir jetzt gehört, wie das zugehe durch den Glauben, welchem er gibt alle sein Recht und Gut, das er hat über Sünde, Tod und Gesetz, macht ihn gerecht, frei und selig.
Denn Heiland heißen wir auf deutsch den, der da hilft, erlöset, selig macht und jedermann ganz heilsam ist. Denselben nennet die hebräische Sprach Jesu. Also sprach der Engel Gabriel zu Joseph im Schlaf (Matth. 1 (V. 21): »Sie wird einen Sohn gebären, den sollst du Jesus heißen, denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.«
Gott hat auch den Brauch nie gehabt, daß er ein Zeichen, wenn es an sein End kommen ist, wiederum aufrichtete, sondern hat allzeit neue und andere Zeichen eingesetzt. So hat er auch nach der Erfüllung seiner Versprechung an Abraham, nach Christi Ankunft, dem Samen Abrahams ein andres neues Zeichen aufgerichtet, nämlich die Taufe. Das ist gewiß das letzte Zeichen vor dem jüngsten Tag, weil’s Christus selbst eingesetzt hat. Dennoch bleibt der Glaube an Christus immer derselbe, wie er auch in Abraham war, denn der Glaube weiß weder von Tag noch Nacht noch irgendeiner äußeren Wandlung zu sagen. Die Taufe bedeutet nu (heut) dasselbe, was die Beschneidung (bedeutet hat), wovon zu seiner Zeit zu reden ist.
Denn Person und Natur sind dem Gesetz durch die Geburt schon zuvorgekommen; eh das Gesetz ihr verboten hat, ist die Natur schon zur Sünd worden. So wenig es in eines Menschen Macht liegt, ob er geboren wird und sein natürlich Wesen empfangt, so wenig liegt es in seinem Vermögen, ohn diese Sünde zu sein oder sie loszuwerden. Der uns schafft, der allein muß sie auch abtun. Darum gibt er zuerst das Gesetz, durch das der Mensch solche seine Sünd erkenne und gnaddurstig werde, darnach gibt er dann das Evangelium und hilft ihm.
Nu kann der Glaube und die Erkenntnis Christi nicht schweigen. Der Glaube bricht heraus und saget von sich, was er weiß, damit er auch andern helfe und sein Licht mitteile, wie Ps. 115 (Ps. 11l6, 10) sagt: Ich hab geglaubt, drum rede ich auch.
Er ist ein Mal des Widersprechens, da jetzt mehr sich an stoßen und fallen, denn noch je geschehen ist. Ein gemein Sprüchwort ists: Deo gratias (Gott sei Dank!), aber unter tausend ist kaum einer, der es mit Wahrheit sage.
Denn es ist Christus nicht darum zu tun, daß man seine Person und Namen viel ehret, wie alle seine Feinde tun, sondern seine Lehre will er geehrt haben. Da liegt die rechte Kunst, wie er sagt Lk. 6 (V46): was rufte ihr mir Herr, Herr und tut nicht, was ich sage?
Die hebräische Sprache braucht das Wort ›bekennen‹ in so weitem und breitem Sinn, daß wir’s kaum mit drei Worten erlangen: beichten, bekennen und danken. Drum wenn die hebräische Sprache danksagen will, so spricht sie: bekennen. Ist auch nicht übel noch uneben geredet. Denn danksagen ist nichts andres als die empfangene Wohltat und des Wohltäters Güte und des Bedürftigen Unwürdigkeit bekennen; wer solches erkennet und bekennet, der dankt rechtschaffen.
Und das ist der rechte Gottesdienst in den Werken, daß solche Werke frei umsonst, Gott zu Ehren geschehen. Was bedarf er sonst deines Fastens, wenn du nicht damit die Sünde und das Fleisch dämpfest, die er will gedämpft haben? Als die thun die den Heiligen, und auf sonderliche Tage und Zeit fasten, unangesehen die Kasteiung des Leibes; denn sie machen nur ein unfruchtbar Werk daraus.
Sieh deinen Stand an, so wirst du gute Werk genug zu tun finden, wenn du fromm sein willst. Es hat ein jeglicher Stand Werke genug, so daß er fremde nicht suchen braucht.
Ehelichen und Witwenstand vermengen, den eigenen Beruf lassen und fremden Werken anhangen, das hieße auf den Ohren gehen, die Füße beschleiern und den Kopf stiefeln und alle Dinge verkehren.
Möchte jemand hier sagen: In dieser Hanna siehst du, daß die guten Werke gepreiset werden, als Fasten, und Beten und zur Kirche gehen, darum müssen sie je nicht also zu verwerfen sein? Antwort: Wer hat denn gute Werke je verworfen? Wir verwerfen nur die falschen scheinenden guten Werke. Fasten, Beten, zur Kirche gehen sind gute Werke, wenn sie recht geschehen; aber das ist das Gebrechen, daß die blinden Köpfe also in die Schrift fallen, mit Stiefeln und Sporen einhin plumpen, sehen nur auf die Werke und Exempel der lieben Heiligen, wollen sobald davon lernen und folgen.
Darum setzt ihr Gott ein Zeichen, an dem sie sich stoßen und wobei jedermann lernen soll, daß ein christlich Leben viel höher ist als Natur und Vernunft: all ihre Tugenden sind Sünden, all ihr Licht ist Finsternis, all ihre Wege sind Irrtum. Es muß ein ander Herz, ein andre Haut und Natur her, dies Herz entdeckt sich nicht anders, als daß es Gott feind ist.
Alle Welt mag mir meinen Glauben und Wort verdammen, als ketzerisch ausschreiben und aufs schmählichste entstellen und verkehren. Aber sie muß mir ihn bleiben lassen, kann ihn mir nicht nehmen, mit all ihrem Toben und Wüten bringt sie’s nicht weiter, als daß sie mir widerspricht und ich ihr Mal und Ziel sein muß. Dennoch fällt sie, und ich stehe. Laß widersprechen, wieviel sie wollen. Gott widersteht und ficht mit seinen Werken wider ihre Wort, wollen sehen, wer hie obliegen werde.
An Gottes Wort muß man sich stoßen, fallen, aufstehen und widersprechen, da wird nichts andres draus. Wer es anders haben will, der mag sich einen andern Christus suchen.
Darum siehst du, wie die ganze Schrift nur auf den Glauben treibt, und die Werke verwirft als untüchtig, ja, ärgerlich und hinderlich zur Rechtfertigung und solchem Aufstehen. Denn Christus will allein gesetzt sein zum Aufstehen, oder muß zum Fall gerathen. Er läßt nichts neben sich zum Aufstehen gesetzt werden.
Wie nu zu Christus‘ Zeiten viele in Israel an ihm aufgestanden sind, also muß es auch bleiben bis ans Ende der Welt: durch kein Werk und keine Menschenlehre kann jemand aufstehen, sondern allein durch Christus, welchs durch Glauben geschieht ohn alle Werk und Verdienst, wie oft gesagt ist; die Werk müssen dem Aufstehen erst folgen. Da siehest du, wie die ganze Schrift nur zum Glauben treibt und die Werk verwirft als untüchtig, ja ärgerlich und hinderlich zur Rechtfertigung und solchem Aufstehen Denn Christus allein will zum Aufstehen gesetzt sein oder aber zum Fall geraten; er läßt nichts neben sich zum Aufstehen gesetzt sein.
Die Welt kann uns alle Dinge nehmen und zunichte machen, auch unsere guten Werke und gutes Leben; aber den Glauben muß sie im Herzen lassen bleiben und bleibt auch bis an den jüngsten Tag.
Darum siehe darauf, wie eine richtige Straße der Weg Gottes geht. Zum ersten, er mag nicht leiden Menschenlehre und Weg oder Gebot. Zum andern, er mag nicht leiden eigene ersuchte oder erlesene Werke. Zum dritten, er mag auch nicht leiden der Heiligen Exempel; sondern da ist er hin gerichtet, daß er wartet, wie ihn Gott führe, was der von ihm haben will; wie der Prophet Ps. 25, 8. 9. 12. sagt: »Gott lehret sie den Weg, den er erwählet hat«; item: »Er wird die Sanftmüthigen lehren seine Wege.«
Soll der Mensch geistlich werden und den Glauben überkammen, ist ihm noth, daß er zuvor unter dem Gesetz sei; darum daß ohne das Gesetz niemand sich selbst erkennt, was ihm gebricht; wer sich aber nicht kennt, der sucht nicht Gnade Wenn aber das Gesetz kommt, so fordert es so viel, daß der Mensch fühlt und bekennen muß, er vermöge sein nicht; da muß er denn an sich selbst verzweifeln und gedemüthigt nach Gottes Gnade seufzen. Siehe, darum gehen die sieben Jahr zuvor, das Gesetz vor der Gnade her, gleichwie Johannes der Vorläufer Christi.