Dann sprech ich zum Mammon: du bist ein großer Gott, ich will von dir fressen, solang ich lebe, darnach fahr hin! Desgleichen du Geld, Gut und Kunst: ich will euch gebrauchen, aber Freude, Trost und Heil soll sein das liebe Kind, das in der Mutter Schoß ist und zugleich Gottes Sohn.
Und ob ich auch bisweilen blöde und erschrocken bin, so ist mein Fleisch und meine Blödigkeit schuld, die mir eine Wolke vor die Sonne schieben. Da muß man sprechen: das Kind ist nicht recht benannt, nenne seinen rechten Namen: Jesus. So nennt’s der Engel, Moses, der himmlische Vater, der Heilige Geist und die ganze Schrift. Das ist meines Gewissens Freude, dabei will ich bleiben.
Es ist freilich eine kurze Predigt und, wer sie hört, meint, er hätt sie schnell verstanden: Jesus ist ein Heiland von allen Sünden, Schrecken und Tod. Ja, weit gefehlt, wenn’s zum Treffen kommt und du sollst’s dafür halten, daß er Helfer sei, da will’s nie vorangehen und ist das Herz also gesinnt: O weh, er ist ein Henker und du hast so und so gelebt und gesündigt. Vor Ungestüm und solchen Wasserwogen kann ich dann nicht sehen, daß es dies Kind ist und Jesus heißt.
Wenn die Vergebung nicht weiter reicht als am Kreuz, dann ist sie an einem Tag ausgerichtet und ist seine Passion uns nichts nütze. Wie wirds uns aber mitgeteilt? durch den Glauben. Wie erlang ich den Glauben? durch die Worte. Welche Worte? Ihr sollt wissen, daß mein Leib und Blut für euch gegeben sind.
Du wirst keine Historie finden, da eine Mutter ihrem Sohn nachfolgt, wenn er so schrecklich leiden muß. Sie muß ein hartes Fräulein gewesen sein. Sie hat ihn hängen sehen, so greulich verspien und dornengekrönt. Ich meine, da muß ihr wahrlich das Schwert Simeons durchs Herz gegangen sein (Lk. 2, 35). Eine andre Mutter sieht schon nicht gern, wenn ihr Kind nur von einer Bank fällt oder am Ohr blutet. Wo könnte man eine Mutter finden, die solches sehen kann?
Ja, kein Mensch auf Erden ist so sündig wie ein Christ; denn er fühlt seine Sünden mehr als sonst ein Mensch. Es gibt keine so große Sünderin als die christliche Kirche.
Soviel du glaubst, soviel bist du Christus gleich. Dennoch bleibt in dem alten Sack das alte Bild: ich fühle die Sünde und den Tod; Schand und Schmach und Herzeleid vor Gott und der Welt ist vorhanden, aber es geht allein ins Fleisch und hört da auf, wo der Glaube angeht. Du bist mit Christus eins und mit ihm auferstanden.
Aber des Schächers Kunst ist: Ich bin ein Sünder, sei mir Sünder gnädig! Ich hänge dirs an den Hals. Wenn wir das nicht lernen, werden wir niemals wissen, was Christus ist. Drum lerne die Kunst des Schächers und dünke sich niemand so stolz, daß er sie schon könne. Wir wollen Perms und allen Aposteln Trotz bieten: sie haben diese Kurist noch nicht gekonnt. Der Schächer ist vor ihnen ein Doktor und ein Christ geworden.
Aber das ist ja Blindheit, sprechen, Christus sei der Heiland, und gleichzeitig sagen: »Christus allein tut’s nicht, ich kann auch solch Leben führen.« Laß sie’s führen, du aber hange an Christus und wisse: was außer Christus ist, ist Finsternis. Und wären’s auch die besten Gesetze des Kaisers, die gewißlich Gottes Ordnung sind, so ist’s doch alles Finsternis. Eine Kuh muß ihr Stroh haben, das ist ihr Gesetz. Aber dennoch wird sie dadurch nicht Kind und Tochter im Haus, sondern bleibt eine Kuh. Desgleichen auch hier. Und wenn ich alle Gebote des Kaisers hielte, so bin undwerdich drum doch nicht Gottes liebes Kind.
Wenn ich in den Dreck falle, so sehen meine Augen die Sonne wohl nicht. Aber dennoch bleibt die Sonne, und wenn ich mir die Augen auswasche, seh ich sie wieder. Und wenn ich in den Keller gehe, so bleibt die Sonne auch, ich bin ihr nur davongegangen; wenn ich wieder herauskomme, so finde ich sie wieder. So ist die Taufe ein ewig Ding und bricht dir nicht.
So sind auch die Eltern ihren Kindern, Frau und Herr in der Familie Heilande und heißen auch in der Schrift also, besonders im Richter-Buch (z.B. 3, 9.15). Aber es sind geringe Heilande und keiner hat die Kraft, daß er ein Heiland von Sünden wäre. Wer sich nu dieses Kindes mit Ernst annehmen und es seinen Helfer sein lassen will, der sehe es an, nicht als einen, der sonderlich in diesem Leben, sondern als einen, der von Sünden und, was den Sünden folget, von Tod, Hölle und Teufel hülfe.
Ei Lieber, wo sind wir denn daheim? Mit der Vernunft sind wir in diesen Sachen so klug als eine Kuh. Wenns die Vernunft gälte, so wollte ichs besser können als du. Aber wir sind hier nicht in einem Wirtshaus, sondern in der christlichen Kirche. Da müssen wir glauben, nicht was die Vernunft recht dünkt oder was mir oder dir wohlgefällt, sondern was die Schrift uns vorsagt.
Ich lasse alle Stände gut sein, Witwenstand, Jungfraustand, Ehestand. Jeder ist zu loben in seiner Würde und seinem Maß als. Gottes Ordnung und Geschöpf. Jungfrauschaft ist ein köstlich Kleinod, von Gott gegeben. Aber so wenig eine Jungfrau durch ihre Jungfrauschaft gen Himmel kommt, so wenig ich durch mein Predigtamt. Jungfrauschaft verdients gleich wenig als eine Ehefrau. Jungfrauschaft und Heiligkeit rechtfertigen nicht, aber Gott hat sie in Ehren gebracht. Derhalben lernet, die Stände preisen, aber nicht glauben, dadurch selig zu werden.
Wenn’s nämlich wahr ist, daß der von der Jungfrau geborene auch mein ist, so hab ich keinen zornigen Gott. Da muß ich merken und fühlen, wie eitel Lachen und Freude sei im Herzen des Vaters und kein Unlust in meinem Herzen. Wenn wir das fassen, erwachen wir wie aus einem Traum und sprechen: hilf Gott Vater, ist das wahr, daß dein Sohn mein ist? wie kann ich traurig sein? wer sollt mir etwas schaden?
Maria hütet, säugt und nährt das Kindlein, wie eine Mutter soll. Drum spricht die Vernunft, Gott hab das alles dazu getan, daß wir aus ihr einen Abgott machen und daß man die Mutter ehre. Wie kommt die Mutter zu der Ehre? Ohn ihren Willen und ohn ihr Wissen. Alle Lieder, allen Ruhm und alle Ehr der Geburt zieht man auf die Mutter. Und doch lautet der Text nicht zu Ehren der Mutter. Denn der Engel spricht: »Ich verkündige euch Freude, euch ist er geboren!« Also, ich soll mich des Kinds und seiner Geburt annehmen und soll die Mutter vergessen, soviel es möglich ist. Wiewohl man ihrer nicht vergessen kann; denn wo eine Geburt ist, da muß auch eine Kindesmutter sein. Dennoch soll man nicht an die Mutter glauben, sondern daß das Kind mir geboren sei.
Das ist der hohe Artikel, daß wir die zwei Personen in einem Blick ansehen und nicht scheiden, wie es die Engel in eine Person gefasset haben. Sie sprechen davon, als wär’s ein Ding. Du kannst kein Ding so nah zusammenbacken als die zwei Naturen in Christus. Nicht umsonst treib ich diesen Artikel so hart. Ich bin drin gesteckt. Die Vernunft will’s immer so scheiden, daß im Schoß der Mutter nur ein Kindlein sei. Aber die Engel legen Maria den Heiland und Herrn in den Schoß, unzertrennet die geborne und die göttliche Person.
Ich hab es mehr als einmal erfahren, daß mich der Teufel leichter herumbringen kann, wenn ich nicht mit dem Wort gerüstet bin. Er hat mich dahin gebracht, daß ich nicht gewußt habe, ob ein Gott oder Christus sei, und hat mir also genommen, was ich sonst gewiß wußte.
Es ist mir selber begegnet: Wenn ich das Wort habe fahren lassen, hab ich Gott, Christus und alles miteinander verloren. Es gibt auch keinen leichteren Weg, alle Artikel des Glaubens zu verlieren, als außerhalb der Schrift daran zu denken.
ltem da der Engel Maria grüßet und spricht: »Gegrüßet seist du, Maria voll Gnaden, der Herr mit dir.« Wohlan, so ist’s bisher einfach den lateinischen Buchstaben nach verdeutschet. Sage mir aber, ob solchs auch gut deutsch sei? Wo redet der deutsche Mann also: du bist voll Gnaden? Und welcher Deutsche verstehet, was damit gesagt sei: voll Gnaden? Er muß denken an ein Faß voll Bier oder an einen Beutel voll Geldes. Darum hab ich’s verdeutscht: Du holdselige, damit doch ein Deutscher mehr dabei denken kann, was der Engel meinet mit seinem Gruß.
Sprichst du aber: wenn ich aber solche Not nicht fühlen und Hunger und Durst nach dem Sakrament nicht empfinden kann, was soll ich dann tun? Antwort: denen, die so gesinnt sind, weiß ich keinen bessern Rat, als daß sie doch in ihren Busen greifen sollen, ob sie auch Fleisch und Blut haben. Wenn du solches findest, so siehe doch dir zugut in St. Paulus Epistel an die Galater (5, 19 f.) und höre, was dein Fleisch für ein Früchtlein ist: offenbar sind aber die Werke deines Fleischs, als da sind Ehebruch Hurerei Unreinigkeit Geilheit Abgötterei Zauberei Feindschaft Hader Eifer Zorn Zank Zwietracht Sekten Haß Mord Saufen Fressen und dergleichen. Wenn du es nicht fühlen kannst, so glaube doch der Schrift, die wird dir nicht lügen, denn sie kennt dein Fleisch besser als du selber.
Man darf doch das Sakrament nicht ansehen wie ein schändlich Ding, vor dem man weglaufen müßte, sondern als lauter tröstliche Arznei, die dir an Leib und Seele hilft und das Leben gibt. Denn wo die Seele genesen ist, da ist dem Leib auch geholfen. Warum stellen wir uns dann zum Sakrament, als wenn es ein Gift wäre, an dem man den Tod frißt?
Zum andern ist außer dem Gebot noch, wie oben gehört, eine Verheißung, die uns aufs allerstärkste reizen und treiben soll. Denn da stehen die freundlichen lieblichen Worte: »Das ist mein Leib, für euch gegeben; das ist mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden.« Diese Worte sind wie gesagt nicht Stock und Stein gepredigt, sondern mir und dir. Sonst könnte Christus ebensogut stillschweigen und Sakrament einsetzen. Darum denke daran und bringe dich auch in das ›euch‹, damit er nicht umsonst mit dir rede.
Denn Christus spricht nicht: wenn ihr glaubt oder würdig seid, so habt ihr meinen Leib und mein Blut, sondern: nehmet, esset und trinket, das ist mein Leib und Blut. Desgleichen: solches tut d.h. das, was ich jetzt tue, einsetze, euch gebe und nehmen heiße. Das heißt: ob du nu würdig oder unwürdig bist, du hast hier seinen Leib und sein Blut kraft der Worte, die zu dem Brot und Wein kommen. Das merke und behalte gut!
Was ist nu das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut des Herrn Christus in und unter dem Brot und Wein, die durch Christi Wort uns Christen zu essen und zu trinken befohlen sind. Und wie bei der Taufe nicht gewöhnliches Wasser ist, so sagen wir auch hier: das Sakrament ist Brot und Wein, aber nicht gewöhnlich Brot und Wein, wo mans sonst zu Tisch trägt, sondern Brot und Wein in Gottes Wort gefaßt und daran gebunden. Das Wort ist das, was die Sakramente macht und unterscheidet. Darum heißt und ist es nicht nur Brot und Wein, sondern Christi Leib und Blut.
Durch die Taufe werden wir wiedergeboren und in ein neues Wesen versetzt. Aber der alte Adam bleibt auch nach der Taufe noch wütend. Dazu sind noch viele Gefahren vorhanden, die von Fleisch Welt und Teufel drohen. Da wird der neue Mensch müde und es wird ihm schwer, es hinauszuführen. Darum ist ihm dies Sakrament gegeben, daß er sich wieder erhole.
Nenne mir einen, der nicht unzufrieden ist mit dem Seinigen und vielmehr Wohlgefallen habe an dem, was der Herr ihm aufgetragen hat, und desselben mit Fleiß warte. Wir werden die Hirten vor allen heilig sein lassen müssen. Ich zum Exempel soll ein Prediger und Leser sein; aber wenn’s bei mir stünde, ließ ich’s lieber anstehn. Die Schwärmer wiederum sollten schweigen und nicht lehren; aber die können nicht schweigen. Desgleichen soll ich beten und schreiben und bin zu träge dazu. Desgleichen haßt jeder Ratsherr sein Amt und möchte ein jeder lieber ein andres. Der Freie sucht Bindung, der Gebundene sucht los zu werden. Bist du ein Ratsherr oder Richter, so sollst du’s gerne tun. Ein Ehemann, ein König und Herr sollten fleißig sorgen. Aber der Ehemann denkt: o hätt ich kein Weib, o wär ich König oder einer vom Adel! Ein jeder spricht: o wär ich! Aber wir wollen das Evangelium hören: der beste Stand, den du haben kannst, ist der, in dem du bist!
So sind die Engel denn also freundlich und barmherzig, zumal denen, die diesem Kinde glauben. Andern tun sie wohl auch wohl, aber um des Kindeswillen steigen sie vom Himmel nieder. Drum laß deine Augen nirgend anders wohin sehen als auf dieses Kind. Dann freuen sich die Engel und alle Creaturen mit dir, die Nacht·wird zu Licht und predigt den Hirten, die Krippe wird zum Paradies und Himmel, und der Stall stinkt nicht, sondern riecht aufs beste und ist ein Engelsort.
Willst du aber wissen, wie die Engel beschaffen sind, so sieh, wie sie hier beschrieben sind. Du hörst, was sie singen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Aus diesen Worten verstehst du freilich nicht, ob die Engel Fleisch und Bein, Rock und Flügel haben oder nicht, auch nicht, welche Gestalt sie haben. Ist auch überflüssig. Es hat auch noch niemand auf Erden verstanden, was der Menschenleib und seine Seele sei, wie die Augen sehen und die Ohren hören.
Drum soll ein Fürst demütig sein und wissen, daß er kein Tyrann, sondern ein heilsamer Mann sein soll. Was Gewalt hat, sollen Heilande heißen und helfen. Denn Stuhl bedeutet Gewalt, und solche Gewalt soll andern nützen und nicht schaden. Wo sie ihre Macht und Stühle zum Schaden gebrauchen, so sind’s Tyrannen, die Macht und Stuhl zu ihrer Wollust mißbrauchen. Dann nimmt er die Tyrannen vom Stuhl und lässet den Stuhl stehen.
Wir verwerfen äußerliche Ding, jedoch mit Unterschied. Essen, Trinken, Schuhe ist nichts nutz, auch kümmert’s mich nicht, ob einer ein Haus oder ein Weib hat. Wenn du sagen wolltest: wer sich so und so kleidet und ißt, der wird selig, so ists erlogen. Aber ists in Gottes Wort gefaßt, so muß man’s ehren und heilig halten. Denn nu ist’s nicht mehr bloß äußerlich Ding, sondern in Gottes Wort gefaßt.
Äußerlich Ding nützt nichts, es sei denn in Gottes Wort gefaßt. Ist’s aber in Gottes Wort gefaßt, so ist’s ein Edelstein in Gold gefaßt. Desgleichen sprechen sie auch, Taufe und Obrigkeit sei äußerlich Ding. Denk du also: verdrießt’s Gott nicht, daß er sein Wort hängt an Wasser, Brot und Wein, Eltern, welches alles äußerlich Ding ist, so laß dichs auch nicht verdrießen, daß du mit Glauben dran hängst.
Die Erkenntnis des Heils steht nicht darin, daß du in ein Kloster läufst, sondern darin, daß du Vergebung der Sünden hast. Wo durch bekommst du sie? Durch Werke und Leiden? Nein, sondern durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes.
Wer Christus aber aufgenommen hat, der kann predigen, trösten,vbei Irrenden unterrichten, dem Fürsten und dem Hausvater von seinem Stand sagen, und alle seine Werke sind tüchtig. Das heißt ein gerüstet Volk, das der Herr brauchen kann, um sein Reich zuregieren und zu führen.
Sie sagen, wir hätten einen neuen Gott und eine neue Lehre, sie aber wollen bei dem alten bleiben. So hat man auch damals im jüdischen Volk gesagt: wir wollen glauben wie unsre Väter und dabei bleiben, Johannes aber predigt etwas Neues. Um der gleichen Sache willen hat auch der Prophet Maleachi einen schlechten Leumund gehabt. Dagegen spricht nun dieser Text: er soll die Herzen der Väter bekehren zu den Kindern, d.h. damit sie einmütig das glauben, was auch die Alten geglaubt haben. Es soll nicht ein neuer Glaube und eine neue Lehre sein. Gleichwie auch wir die alte Lehre lehren und keine neue erdichtet haben, sondern Petrus und Paulus haben dasselbe gepredigt.
Dein Gebet ist erhört. Da siehst du, wie das Gebet mehr gibt, als man zu bitten und erflehen wagt. Uns ist befohlen, daß wir’s daher zählen, was wir zu bitten haben. Im Gebet soll man erzäh len, was nötig ist, und das Kind beim Namen nennen: Glauben, selig End, Lehr, Zucht. Aber du hast es für gewiß, daß mehr empfangen wird als im Gebet genannt.
Viele haben dem Johannes Kirchen, Stift und Altäre gebaut; ist eine äußerliche Ehrung gewesen. Die Welt ist durchs Feuer getanzt; es war lauter Götzendienst. So haben sie Johannestag feiern wollen und haben ihn für einen Gott gehalten. Sie haben’s nicht dahin gezogen, wo Lukas es hinzieht, dahin nämlich, daß Dank gesagt werde für Mund, Zunge, Amt und Wort des Johannes.
Summa summarum, wir werden nicht erfahren, was Christus ist und der Schatz, den er mit sich bringt, wenns nicht gepredigt wird in der Predigt am Sonntag oder im häuslichen Zuspruch.
Wenn du liesest er ist auferstanden, dann setze hinzu: ich mit ihm, du mit ihm, damit solche Auferstehung auf uns bezogen werde und wir auf sie. Wer das nicht lernt, der lernt überhaupt nichts. Darum ist die Lehre des Evangeliums eine andre Lehre als Moses und aller Doktoren Lehre, die nur lehren, wie man leben soll, aber nicht, was uns geschenkt wird. Darum hört ihr, wie der Teufel sich dem widersetzt: er kann alles leiden, nur das nicht, wenn man Christus aufnimmt als ein Geschenk.
Je mehr ein Mensch die Sünde in sich selber ansieht, desto schwächer ist ihm Christus; je weniger er sie in sich selber und je mehr er sie in Christus ansieht, desto stärker ist ihm Christus.
Wenn jemand in schweren Gedanken versunken ist, kann er die Wahrheit nicht sehen. Die Apostel können den lebendigen Christus nicht sehen, weil das Bild des Toten und Begrabenen zu fest in ihnen ist. So ists in allen Anfechtungen: wenn jemand etwas andres sagt, so hält mans für ein Märlein.
Darum soll man nicht an Frieden denken, wenn das Evangelium kommt. Das Evangelium richtet Rumor an in der Welt, wiewohl es nicht die Schuld des Evangeliums, sondern der gottlosen Menschen ist.
Ein Christ in seiner eigenen Person ist ein Judas Kaiphas und Pilatus und findet sich verdammt. Aber da ist eine andre Person, die nimmt meine Sünden auf sich, am stillen Freitag liegen sie alle auf seine’m Hals, aber am Ostertag hat er keine mehr.
Die heillosen Leute, die über uns lachen, weil wir den Glauben predigen, wissen nicht, was der Glaube ist und tut. Sie sind blinde Narren und sehen die Auferstehung an wie eine Kuh ein neues Tor.
So ists in allen Dingen, die das Evangelium betreffen. Den einen ists ein Geruch des Todes zum Tode, uns Sündern aber ein Geruch des Lebens zum Leben (2. Kor. 2, 16). Noch heute ist Christus ein Aufrührer, bei uns aber ist er der König der Herrlichkeit.
Wir müssen unter dem Haufen erfunden werden, für den Christus spricht: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Mache auch unter den Gebeten einen Unterschied wie unter den Werken und Leiden. Unser Gebet ist nichts und wird nicht erhört, wenn es nicht Teil hat an diesem Gebet und unter dies Wörtlein geschrieben ist: vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich muß mich unter die Zahl der Sünder rechnen, für die hier Christus betet.
Wer ein Christ sein will, braucht seine Gebärde nicht verstellen. Ein jeder bleibe bei seinem Kleide. Sauer sehen und grauer Rock machen keinen Christen.
Fromm zu werden taugt allein der Glaube. Damit sind alle Klöster niedergelegt, denn sie haben den Werken gegeben, was allein dem Glauben zugehört. Gleichermaßen mach einen Unterschied zwischen der Passion Christi und der Passion der Menschen, sie sei wie groß sie auch wolle, eines Diebs Leiden oder eines Pestkranken Leiden. Setze alle Leiden aller Menschen auf einen Haufen und sprich: all diese Leiden vermögen nicht eine einzige tägliche Sünde zu büßen.
Das ist die Christenregel, daß ein Christ seinen Nächsten für seinen Herrn hält. In der Welt ists anders. Freilich, solche Ordnung unter uns anzurichten, ist ein schwierig Ding, weil viele Gottlose unsere Liebe mißbrauchen. Es würde viel Buberei darunter geschehen. Darum hab ich gesagt, ich kanns nicht unter uns anrichten.
Liebe Jünger, ich will euch nicht viel Gebote, Gesetze und Bücher geben, die Liebe allein wird euch wohl lehren, was ihr tun sollt, drum laß ich euch das Exempel des Dienstes, indem ich selber euch diene. Das soll das neue Gebot sein. Dasselbe war auch zu vor schon da, aber nu will er die andern hinwegtun und nur dies eine umfassen. Eh ich eine Mutter lehre, was sie ihrem Kind tun soll, hat sies schon getan. Ihr Herz weiß es besser, als alle Bücher schreiben und predigen könnten. So ist die mütterliche Liebe und so will Christus, daß wir einander dienen.
Da seht ihr, wie der Herr spricht als einer, der scheiden will und ihnen mit Wort und Werken befiehlt, einander zu lieben und zu dienen. Denn das ist die Natur der Liebe, daß sie dient und nicht herrscht. Was man liebt, dem dient man. Darum spricht er: daran wird die Welt erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt und einer dem andern dient.
Ich hab heute vermahnt, daß wir das Sakrament nicht verachten sollen um des Gebots, um der Verheißung und um der Not willen. Und ich ermahne nicht allein euch Alte, sondern auch euch Junge, daß Ihr die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser so auffasset. Mit uns Alten ist es geschehen. Man muß nu die Kinder unterweisen und sie sollen den Diakonen vorsagen, was sie zuhause gelernt haben. Man soll sie dazu anhalten: das tut zu meinem Gedächtnis!, damit sie mit uns Teil daran haben und mit uns beten.
Hunderttausenderlei Sünden und Tode stehn um dich her. Alle Steine, Wasser, Feuer sind voll Tod jeden Augenblick. Alle Bissen, Trünke, Pfade und Tritte sind eine Gefahr deines Lebens. Weib, Kind und du selber stehen in Gefahr des Todes, allerlei Irrtums und Sünden jeden Augenblick. Wohin sollen wir gehen? Zu Christus. Da kommen dir andre Gedanken, so daß du sprichst: ich fühle Sünde Welt und Fleisch nicht, wiewohl ich tief darinnen stecke, gib Gnade, daß ich anders werde!
Überdies hast du nicht allein Gottes Wort, Gebot und Verheißung, sondern auch noch deine Not am Hals, die der Herr ansieht, indem er spricht (Mt. 11, 28): kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Sind das die Heiligen und die Weisen? Die brauchen keine Arznei. Euch rufe ich, spricht Christus, die ihr beladen seid. Solche Last der Sünden, Todesfurcht, Geizes, Fleischs usw. soll mich locken zur Verheißung der Vergebung der Sünden, daß ich freiwillig und gern hinzutrete.
Du denkst, ich könnte wohl beten, aber ich bin nicht würdig. So sehen wir allzeit mehr auf unsre Hände als auf Christi Mund. Sonst müßten wir sprechen: ich sehe, was du sprichst, nicht was ich tue.
Wenn die Sünden also nicht der Art sind, daß dich die christliche Gemeinde deswegen öffentlich strafen müßte, so sollst du dich nicht vom Sakrament abziehen lassen und soll dirs nicht verwehrt werden, sondern sollst sprechen: ich komme nicht auf meine Würdigkeit, sonst käm ich nie. Ein Kind wird auch nicht zur Taufe gebracht, weils fromm ist. Ich gehe auch nicht zur Beicht auf meine Reinheit hin. Wer nicht den Willen hat, die Gnade zu empfangen, der soll nicht beichten. Wer aber gerne Trost hätte, die Gnade begehrt und gern fromm werden wollte, der gehe zur Taufe, Sakrament und Beicht. Unwürdig sind also die, die sind wie die Korinther, die sich untereinander bissen und verachteten.
Das Werk ist am Kreuz geschehen, aber wenn ich davon hören soll, muß es verkündigt werden. Mit dem bloßen Zusehen am Kreuz erfuhr ichs nie. Es waren dazumal viele beim Kreuz, sie wußten aber nicht, daß daselbst die Vergebung der Sünden verdient ward, bis die Stimme kam und sie zum Kreuz wies. Wenn du das Wort ›für euch‹ vom Kreuz hinwegtust, dann siehst du Christus am Kreuz an wie einen Dieb am Galgen. Die Worte müssen dich lehren, daß es der Heiland ist.
Wenn die Vergebung nicht weiter reicht als am Kreuz, dann ist sie an einem Tag ausgerichtet und ist seine Passion uns nichts nütze. Wie wirds uns aber mitgeteilt? durch den Glauben. Wie erlang ich den Glauben? durch die Worte. Welche Worte? Ihr sollt wissen, daß mein Leib und Blut für euch gegeben sind.
Der einzig wahre christliche Glaube, das eigentliche Werk des heiligen Geistes, ist der, der Christus nicht allein einen Herrn, sondern meinen Herrn nennt.
Es haben manche feine Gleichnisse dazu gemacht, um die Leute damit zu reizen, daß die Einfältigen es fassen sollten. Z.B. das Gleichnis vom Spiegel: wenn er zerbricht, so gibt es viele Stücke; und so viele Stücke sind, so viel mal spiegeln sie des Menschen Antlitz wieder. Das ist ein Gleichnis für Kinder, wie Christi Leib in so viele Stücke Brot kommen und dennoch ein ganzer Leib sein kann. Diese Gleichnisse verwarf ich nicht, sie gefallen mir um der Einfältigen willen.
Ein Sakrament ist eine Kreatur und Gottes Wort darin. Du sollst dem Wort mehr zutrauen als der Kreatur, ja dem Worte alles und der Kreatur nichts zuschreiben und aus der Kreatur eine Hülse machen, wenn das Wort nicht dabei ist. Aller Irrtum kommt allein daher, daß man das Wort wegnimmt.
Jünger sind auch die, die Christus angehangen haben, nicht allein die Apostel. Zu Antiochia hat man angefangen, die Jünger Christen zu nennen. Zu Jerusalem war das nicht, da hieß es: Es sind Jünger, Schüler, Jünger Jesu Christi, bis man sie schließlich Christen nannte bis auf den heutigen Tag.
Darnach gehen sie auf das Wort ›Jünger‹ und sagen, Christus habes nur den Jüngern gegeben. Das hab ich nicht gewußt. Lies die Apostelgeschichte! Da wirst du finden, daß Jünger nicht allein die Apostel sind, sondern alle, die an Christus glaubten. Lukas erzählt (Apg. 9, 36): zu Joppe aber war eine Jüngerin. In diesem Wort sind wir alle mitinbegriffen. Da sollten die törichten Köpfe rot werden, daß ein Weib ausdrücklich Jüngerin genannt wird.
Bekennen und Macht haben ist zweierlei. Die christliche Kirche bekennt, daß die Lehre, das Evangelium, das Buch wahr ist. Aber Macht über die Bücher ist ihr damit nicht gegeben.
Sprich: das ist das Reich der Welt. Du kannst nicht erwarten, die Welt dahin zu bringen, daß sie anders werde als zu Christi Lebzeiten. Willst du unter Wölfen sein, so mußt du mitheulen. Wir dienen hier in einem Wirtshaus, wo der Teufel der Herr und die Welt die Hausfrau und die weltlichen Lüste das Hausgesind sind, und alle miteinander sind dem Evangelium feind.
So ists der Welt Lauf: Wahrheit kann man nicht leiden; wer in der Welt leben will, der verschweige die Wahrheit und bescheiße die Leute! Willst du aber die Wahrheit bezeugen, so richt dich darauf ein, daß du den Teufel mit all seinen Engeln zu Widersachern hast, dazu auch die Welt mit ihrer Weisheit, dazu Vernunft und Gewissen, Eltern und Freunde. Da wird nichts Andres draus. Wenn diese all dich mit ihrem Haß verfolgen, so sprich: das hab ich gesucht, Gott sei gelobt! es geht richtig, wie es gehen soll; wenn ich die Wahrheit verschwiege, so wären sie alle meine gnädigen Junker; weil ich sie sage, darum widerfährt mir das Gegenteil.
Und wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Da hat nu Christus sein Amt bekannt, daß er ein König sei und daß sein königlich Amt sei, das Evangelium zu predigen. Wer sind nu aber seine Schüler? Antwort: meine Schüler sind nicht die Pharisäer, Benediktiner, Barfüßer, Männer, Frauen, Fürsten, Knechte, Faster, Beter, sondern den Namen haben sie: die meine Stimme horen, sind meine Jünger und Glieder meines Reichs.
Es sind zweierlei Reiche und zweierlei Aufruhr. Wir helfen dem Kaiser zu seinem Reich, aber da rumpeln wir drein, daß Christi Reich höher ist als Kaiser Karls Reich und daß die Leute es neu verstehen müssen. Hand, Leib und Gut lassen wir ihm im Gehorsam, wie sich gebührt. Aber wir predigen das Evangelium und dies spaltet die Herzen voneinander. Darein hat der Kaiser nicht zu regieren.
Ein Christ muß allerlei leiden, aber schweigen muß er nicht. Wenn du Ketzer genannt wirst, mußt du Antwort geben und dem Richter Zeugnis geben, damit er wisse, daß du nein sagst und dich nicht seiner Sünde teilhaft machst. Die Obrigkeit muß die Lügen mit dem Schwert strafen, ein Christ muß sie mit der Zunge strafen.
Ihr habt gehört, wie wir lehren. Es sind zwei Reiche, ein. weltliches und ein geistliches Reich, das eine über Schälke, das der Kaiser regiert, das andere über Christen, das Gottes Sohn regiert. Der Kaiser ist ein Schalkswirt, denn er hat lauter Schälke in seinem Hause. Christus aber will niemand haben, der nicht von Herzen rechtschaffen ist, denn er hat nur das Wort, nicht Rad und Schwert. Aber die weltliche Obrigkeit hat Schälke unter sich, denn sie tun nichts Gutes, man zwinge sie denn mit Schlägen. Wenn das nicht wäre, könnte niemand in seinem Hause sicher sein.
Christus ist nichts anderes als Vergebung der Sünden und diese ist gesetzt gegen die allergrößte Sünde, nämlich die Verzweiflung. Wenn Petrus nicht dastünde und spräche: ich habe auch gesündigt, so würden wir gewißlich alle verzweifeln. Es ist um unseretwillen nötig gewesen, die wir der Schächer und in der tiefsten Hölle sind, damit wir nicht verzweifeln, sondern wissen sollten, daß in Christi Reich die Vergebung der Sünden gilt. Ihr sollt wissen: diese Geschichte ist für uns geschrieben.
Warum ist Christus nicht geflohen? Er flieht nicht vor dem Kreuz. Er hätts wohl sieben mal tun können. Aber er ist seinen Weg gegangen nach seiner Gewohnheit. Daraus soll man die allgemeine Lehre nehmen: man soll das Kreuz weder suchen noch fliehen.
Ob Christus gleich nicht ein weltlicher Herr ist, so verbietet er doch die Obrigkeit nicht und will nicht, daß die, die Gewalt haben, sie fahren lassen. Drum führ das nicht zum Exempel an, was Christus getan hat. Du müßtest sonst auch mein Exempel anführen: Martinus will nicht Ratsherr, Richter sein, also sind’s keine christlichen Stände! So müßt ich Bauer, Schuster, Schneider werden und allerlei Werk und Amt annehmen. Aber sieh nicht an,was Christus tat oder was ich tue. Er gibt einem jeglichen sein Amt.
Wenn einer wider die alte Lehre eine neue errichten wollte, so soll man ihm nicht glauben, auch wenn er Tote erwecken könnte. So ist die Lehre vom Fegfeuer gegen die Lehre und Predigt des Engels hier, desgleichen jene Lehre, daß man durch Werke selig werde. Es sind auch bei Wallfahrten Zeichen geschehen, daß z.B. Blinde das Gesicht wieder erhielten. Aber weil solches gegen die gesunde Lehre ist, soll man ihm nicht glauben.
In dem Wort Emmanuel steht mit allen Buchstaben geschrieben der Name Jesus. Denn wenn Christus mit uns ist, so sind wir genesen, so haben wir den rechten Hausvater, der uns wird wohl erlösen. Wenn er auch nicht Emmanuel heißet mit den Buchstaben, so heißet er doch Emmanuel mit Kraft und Wesen. Denn was er vermag und ist, das ist mit uns. Ist aber das, so ist er selbst mit uns.
Warum aber heißt er Emmanuel, wo der Evangelist ihn doch Jesus nennt, weil er sein Volk selig machen wird? Das ist darum geschehen, daß es verborgen bliebe und würd ein Artikel des Glaubens draus. Und wenn auch die Silben und Buchstaben des Namens nicht da sind, so wird doch die Sache im Evangelium angezeigt, nämlich Emmanuel: mit uns Gott!
Aber der Glaube hats nicht von den Werken, sondern die Werke habens vom Glauben. Das sage ich darum, damit man den Werken ihr bescheiden Teil lasse, aber nicht darauf haue, als täten eigentlich sie das, was ihnen zugeschrieben wird. Denn daß sie reinigen, das haben sie nicht von sich, sondern vom Glauben.
Der Glaube tut alles, er vergibt die Sünden und erlöst vom Tode. Aber die Werke, die nachfolgen, sollen beweisen, daß der Glaube da ist und daß der Mensch anders geworden ist.
Gleichwie Gott auch nicht in seiner Gottheit blieb, als er zu uns kommen wollte, sondern sich ins Fleisch senkte. Da war die Gottheit nicht müßig, sondern tätig in der Menschheit. So fährt auch der wahre Glaube durch Zunge 0hren und Augen und alle Glieder des Körpers und wendet alles so, daß der Mensch nicht sündigt, sondern Gott und nicht dem Teufel lebt.
Auf Erden gilt am höchsten das Seine zu suchen und sich um den Nächsten nicht zu kümmern. Darnach soll man nicht trachten. Solang euch das gefällt, seid ihr tot und habt die Auferstehung Christi nicht ergriffen. Wo aber Christus im Himmel gefällt, da ist lauter Glaube Liebe und Wohltat. Das heißt die Kraft der Auferstehung Christi in uns beweisen, welches geschieht durch wahren Glauben.
Denn wenn der Glaube wirklich in dir ist, dann durchdringt er alle Glieder und fegt das Böse aus, das in deinem Leibe ist, so daß Mund und Ohren anders werden. Dann kannst du es nicht sehen, daß dein Feind Schaden leidet oder ein Haus brennt, sondern wolltest gerne, daß es abgewendet werde.
Wer die Auferstehung Christi recht besitzen will, der muß aus seiner alten Haut in Christus kriechen und ein neuer Mensch werden. Geschieht das nicht, so ist er durch die Auferstehung Christi um nichts besser geworden.
Du aber sprich: »Die Schrift sagt, daß wir durch Christus erlöst sind.« Aber du mußt das Du hinzutun: »Wenn Christi Werk nicht mein ist, dann ist auch mein (Werk) nicht Christi (Werk). Wenn Christi Werk es tut, dann wirds also keines Menschen Werk tun.« Und solches erlangst du allein (durch den Glauben).
Unsre Natur ist dem Glauben feind. Und wenn einer auch glaubt, wie jene beiden Jünger glaubten, so wills doch nicht recht vorangehen, weil soviel entgegensteht. Auch die, die rechtschaffen sind und gerne von Christus hören wie ich und meinesgleichen, sind dennoch Narren und kommen schwer zum Glauben.
Heißen wir Verführer, so hat uns Christus verführt. Ich ließe mich gern vom Evangelium verdammen, wenn Augustinus in den Himmel führt. Wenn mich das Evangelium in die Hölle wirft, dann bleib ich nicht lang darinnen. Desgleichen auch, wenn die Heiligen in den Himmel führen, bleib ich auch nicht lange dort.
Wir wollten gerne, daß der Tod durch unsre Werke hinweggenommen würde. Christus aber spricht: komm zu mir und überwinde ihn in mir. Aber da sind wir so faul, wollen nicht auf einen Fremden gehen und nicht all unsre Güter und Gerechtigkeit verlassen, unser Elend annehmen und allein auf Christus trauen, den man nicht sieht, das heißt aus all dem Seinen treten und zu Christus springen. Summa summarum, es ist unmöglich zu glauben, wir sind träge zum Glauben.
Christus teilt die Auferstehung durchs Wort, durchs Sakrament der Taufe und des Altars aus.
Die Weiber trugens weiter und hrachtens zu den Aposteln. Das ist die Kundmachung der Auferstehung. Und Christus selber kommt auch und sagts Maria Magdalena, Petrus und andern. So ist die Auferstehung eine Verkündigung und daß man sagt von der Auferstehung.
Das wäre kein Vorteil, wenn Christus nur für seine Person den Teufel niedergetreten hätte. Sonst hätte er alsbald von der Krippe aus gen Himmel fahren können. Darum ist die Auferstehung für uns geschehen, daß sie öffentlich bekannt würde.
Röm. 6 steht geschrieben: Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, als wollt er sagen: der Tod unterstand sich, über Christus zu herrschen, und hats auch angefangen, aber er mußt in seiner Herrschaft ersticken und ihn aus den Toten hervorgehen lassen, denn diese Person konnte nicht sterben, wiewohl sie tot war.
Der Tod tut sein Maul auf und bleckt die Zähne, nämlich Pilatus und Herodes. Christus aber spricht: Tod, du hast keine Gewalt an mich, denn ich bin eine unschuldige Person. Da wird der Tod verdammt und gehängt, (als wollt Christus sagen): Tod, du sollst selber sterben.
Je mehr die menschliche Weisheit sich dem Tod entgegenstellt, desto mächtiger wird er. Desgleichen ists mit Sünde und Teufel: je mehr Klugkeit der Mensch dagegen anwendet (desto stärker werden sie).
Darum soll ein Christ wissen, daß ihm der Teufel nicht allein den Glauben, sondern auch die Werke wehrt. Wenn wir auch gut sind, so geschieht es doch, daß wir Böses wünschen. Wer hier nicht vorsichtig und gerüstet ist, der wird niemals vorankommen.
Pilatus fragt: Was ist Wahrheit? Man kann es so verstehen, als frage er nach Schülerweise. Aber ich meine, es sei ironisch gesprochen. Er hat der Juden Falschheit gesehen und spricht nu: was sagst du von der Wahrheit, lieber Jesu, willst du die Wahrheit sagen? Sie gehört nicht in die Welt!
Alle Zeichen sind gegeben, um die Menschen zu stärken. So tat auch Christus alle Wunderzeichen nicht allein um der Liebe willen, sondern um den Menschen zu stärken, damit er an ihn und durch ihn an Gott glaube. Eltern sind auch ein leiblich Ding; aber wenn du recht (an ihnen) handelst, so hast du ein Zeichen, durch das dein (Glaube) gestärkt wird, daß du Gott gefällst. Das sei allgemein gesagt, damit ihr einen Unterschied macht zwischen dem, was Gott, und dem, was ein Mensch geordnet hat.
Das Evangelium macht Christen, aber man siehets ihnen nicht an an den Kleidern, sondern an den Werken der Liebe, wie jene Hirten gepredigt haben, was sie zuvor nicht getan haben. Und das kann einer im Schäferrock gleicherweise tun wie in der Casel. Ich kann am Fasttag ebensowohl predigen als am Fleischtag, auf der Straße ebensowohl als in der Kirche. Bleibe, was du bist, und laß das Herz anders werden.
Denn wo der Mann weg ist, der heute gepredigt wird, bist du verloren, du magst suchen, wo du willst. Such unter den Engeln, such in Rom, so wirst du nichts finden. So wird jeder bekennen, der in dieser Schule gewest ist: Es gibt keine Freude außer an diesem Kinde. Ist dies Kind weg, so ist die Majestät da und schreckt dich. Kannst du aber dem Engel glauben, so bist du selig.
Siehe, das ist eins der vornehmsten Stücke im Evangelium von dem Reich Christi. Daraus können wir lernen, wie es darin zugehe. Es ist ein Regiment, wo bei den Christen, die zu glauben angefangen haben und heilig sind, dennoch noch Schwachheit Unverstand und andere sündliche Gebrechen bleiben. Aber er trägt sie und hält sie uns zugut, doch so, daß sie gebessert werden sollen.
Wohl ist’s wahr, daß der Heilige Geist nicht alle trifft, wie die Stimme tut, aber doch ist’s beschlossen:, wenn du willst Teil haben am Heiligen Geist, so geschieht’s nicht anders als durchs Wort. Das Wort ist Tür und Fenster des Heiligen Geists. Die Fenster sind dazu im Hause, daß das Licht hereindringe. Willst du diese Fenster schließen, so gibt Gott den rechten Heiligen Geist nicht. Er will diese Tür gebrauchen, nämlich das geschriebene oder gesprochene Wort. Das soll stärker sein als alles andre, dadurch will er dein Herz erleuchten.
Denn Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Darum ist einem Christen der Tod der Sprung in die Auferstehung.
So beziehen sich alle Geschichten auf Christus, wenn nicht mit ausdrücklichen Worten, so doch tatsächlich. In allen Bildern und Geheimnissen der Schrift muß man Christus suchen.