Da siehest du, wie Gott mit der hohen heiligen Person der Mutter seines Sohns handelt. Obwohl sie aufs höchste von ihm geehrt ist und ihre Freude an dem Sohn über die Maßen groß gewesen ist, wie sie nie eine Mutter gehabt hat, so greift Gott sie dennoch so an und muß sie Ruhm und Trost so sehr verlieren, daß sie nu nicht mehr kann sagen: ich bin des Sohnes Mutter.
So hat er auch mit seiner lieben Mutter gehandelt, so daß sie auch hat müssen erfahren und lernen, wie er seine Heiligen wunderbarlich regieret. Die Evangelien zeigen genugsam, daß Gott sie gar selten hat·sehen und erfahren lassen, was herrlich, köstlich und fröhlich ist. Zum größten Teil hat sie lauter Leiden und Angst erfahren müssen, wie ihr der heilige alte Simeon zuvor geweissagt hatte, zum Vorbild der ganzen Christenheit.
Welche aber nicht von sich selbst herkommen, sondern herzu gebracht werden, wie Christus heißt die Kindlein herzu bringen, deren Glauben befiehl dem, der sie heißt herzu bringen, und taufe sie auf dessen Befehl und sprich: »Herr, du bringst sie her und heißt sie taufen, so wirst du wohl für sie antworten; da verlaß ich mich auf; ich darf sie nicht wegtreiben noch ihnen wehren; haben sie das Wort nicht gehört, dadurch der Glaube kommt, wie es die Alten hören, so hören sie es aber wie die jungen Kindlein.«
Aufs erste müssen wir den Grund lassen fest und gewiß sein, daß niemand selig wird durch anderer Glauben oder Gerechtigkeit, sondern durch seinen eigenen; wiederum niemand verdammt wird um eines anderen Unglaubens oder Sünde, sondern um seines eignen Unglaubens willen, wie das Evangelium hell und klar sagt Marc.16, 16: »Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt«; und Röm. 1, 17: »Der Gerechte wird seines Glaubens leben«; und Joh. 3, 16. 18: »Wer an ihn glaubet, wird nicht verloren werden, sondern hat das ewige Leben.«
Darum bittet der Glaube also, daß ers alles heimstellt dem gnädigen Willen Gottes, obs zu seiner Ehre und unserm Nutz diene, zweifelt nicht daran, Gott werde es geben, oder, so es nicht zu geben ist, daß sein göttlicher Wille aus großer Gnade dasselbige nicht gebe, darum daß er sieht, es sei besser ungegeben.
Das ist es, das ich nun oft gesagt habe, wie der Glaube mache uns zu Herren, die Liebe zu Knechten; ja, durch den Glauben werden wir Götter und theilhaftig göttlicher Natur und Namen, wie Ps. 82, 6. spricht: Ich habe wohl gesagt, ihr seid Götter, und allesamt Kinder des Allerhöchsten. Aber durch die Liebe werden wir den Allerärmsten gleich. Nach dem Glauben dürfen wir nichts und haben volle Genüge; nach der Liebe dienen wir jedermann.
Weil denn nun der Ehestand den Grund und Trost hat, daß er von Gott gestiftet und Gott ihn lieb hat, und Christus ihn selbst so ehrt und tröstet, sollte er billig jedermann lieb und werth sein, und das Herz guter Dinge sein, daß es gewiß ist des Standes, den Gott lieb hat, und fröhlich leiden alles, was darin schwer ist, und wenns noch zehnmal schwerer wäre.
Nun, warum läßt Gott solches seinen Liebsten widerfahren? Freilich nicht ohne Ursache, und geschieht ja nicht aus Zorn oder Ungnade, sondern aus großer Gnade und Güte; damit uns zu zeigen, wie er es in allen Stücken freundlich und väterlich mit uns meine, und wie treulich er für die seinen sorgt und sie also regiert, daß sich ihr Glaube immer je mehr und mehr übe und je stärker und stärker werde.
Siehe, also kann Gott mit seinen Heiligen handeln, daß er ihnen ihre Freude und ihren Trost nimmt, wann er will, und eben damit ihnen höchsten Schrecken macht, von dem sie ihre höchste Freude haben. Desgleichen kann er wiederum von dem die größte Freude geben, das uns am meisten erschrecket.
Denn das ist der Menschen Weisheit, daß sie nichts andres siehet, nach nichts andrem trachtet und begehrt, als was ehrenvoll, hoch und köstlich ist, und wiederum nichts mehr scheut und flieht als Unehre, Verachtung, Leiden und Elend. So kehrets Gott gerade um und treibt das Widerspiel, geht nach menschlichem Verstand und Ansehen mit seinem allerliebsten Sohn so unfreundlich und ärgerlich um als mit keinem Menschen auf Erden, als wär er nicht Gottes oder eines Menschen, sondern des Teufels eigen Kind.
Es bleibet auch in den höchsten Leuten noch viel Schwachheit und Unwissenheit, so daß man über Lehre und Glaubenssachen nicht nach der persönlichen Heiligkeit beurteilen kann, was aus dem Heiligen Geist sei. Denn das kann alles fehlen. Hierher, da Gottes Wort ist, mußt du kommen. Das ist gewiß und fehlet nicht. Da findest du Christus und den Heiligen Geist gewißlich und kannst darauf bestehen und bleiben gegen Sünde, Tod und Hölle.
Wenn uns Gott einen feinen Glauben gegeben hat und wir daher gehen in starker Zuversicht, durch Christus einen gnädigen Gott zu haben, da sind wir im Paradies.
Des Todes Schmack: Den Tod recht schmecken, ist gewiß und eigentlich rechte Verzweifelung. Gottfürchtige Christen werden den Tod nicht schmecken, wie Christus sagt, denn sie fühlen nimmermehr vollkommene Verzweifelung, wiewol sie bisweilen derselben sehr nahe sind, aber sie werden vom heiligen Geist wieder zurück gezogen und erhalten.
Gottes Wort thuts Alles allein. Doctor Lurher sprach: »Gleich wie Gott Alles aus Nichts machet und aus Finsterniß schaffet das Licht, also machet auchs in Wort, daß im Tode nichts denn Leben sein muß. Darum, wer am Wort Gottes hanget und ihm folget, der erfähret zuletzt, was David im Psalm saget: Wenn Gott spricht, so ists gemacht, und wenn ers heißet, so stehets da. Aber ehe man zu dieser Erfahrung kömmet, muß man etwas leiden; denn Gottes Art und Natur ist, aus Nichts Alles schaffen und machen.«
Item, auf ein ander Zeit sagete Doctor Martinus Luther: »Gott recht dienen, heißet, daß ein Jeder in seinem Beruf bleibe, es sey so geringe es wolle, und höre erstlieh auf Gottes Wort in der Kirchen, darnach auf die Oberkeit, Herrschaft, oder der Eltern Wort, und demselbigen folge. Das heißet Gott recht gedienet.«
Ein Anders von der Fruchtbarkeit deutschen Landes. Deutschland ist ein sehr gut Land, hat Alles gnug, was man haben soll, zu erhalten dies Leben reichlich. Es hat allerley Früchte, Korn, Wein, Getreide, Salz, Bergwerk und was aus der Erden zu kommen und zu wachsen pflegt; allein mangelts an dem, daß wirs nicht achten noch recht brauchen, wie wir billig sollten, Gott zu Ehren und dem Nächsten zu Nutz, und danken ihm dafür; ja, wir mißbrauchens aufs Allerschändlichste, viel ärger denn die Säue. Gott gibt Alles mildiglich und reichlich, also, daß Niemand billig zu klagen hat, und fordert nichts Anders von uns, denn nur allein, daß wir ihm gehorsam seyen, und ein Deo gratias sagen.
Einfältige Prediger die besten. Doct. L. sprach ein Mal, daß Albrecht Dürer, der berühmte Maler zu Nürnberg, hätte pflegen zu sagen: »Er hätte keine Lust zu Bildern, die wären mit viel Farben gemalet, sondern die da aufs Einfältigste und fein schlecht gemacht wären.» Also sagt er, »daß er auch Lust hätte zu Predigten, die fein einfältig einher gingen, da einer verstehen könnte, was man predigte.«
Des Todes Schmack: Den Tod recht schmecken, ist gewiß und eigentlich rechte Verzweifelung. Gottfürchtige Christen werden den Tod nicht schmecken, wie Christus sagt, denn sie fühlen nimmermehr vollkommene Verzweifelung, wiewol sie bisweilen derselben sehr nahe sind, aber sie werden vom heiligen Geist wieder zurück gezogen und erhalten.
Einer muß dem andern um Friedenswillen weichen. Doct. Mart. Luther sagte: »Wenn sichs begibt, daß zwo Ziegen einander begegnen auf einem schmalen Stege, der uber ein Wasser gehet, wie halten sie sich? Sie können nicht wieder hinter sich gehen, so mögen sie auch nicht neben einander hingehen, der Steg ist zu enge. Sollten sie denn einander stoßen, so möchten sie beide ins Wasser fallen und ertrinken. Wie thun sie denn? Die Natur hat ihnen gegeben, daß sich eine niederleget und läßt die ander über sich hingehen; also bleiben sie beide unbeschädiget. Also sollt ein Mensch gegen dem andern auch thun und auf ihme lassen mit Füßen gehen, ehe denn er mit einem andern sich zanken, hadern und kriegen sollte!«
Oberkeit und Juristen bedürfen Vergebung der Sünden in ihrem Amt. Fursten und alle Regenten und Oberkeit, da sie gleich fromm und gottfürchtig sind, können in ihrem Amt und weltlichen Regiment ohne Sünde nicht seyn; sie thun bisweilen Manchem Unrecht, wenn sie sich gleich aufs allerfleißigste hüten. Denn sie könnens nicht allzeit also schnurgleich treffen und fadenrecht machen, wie etliche Klüglinge meinen; drüm bedürfen sie am allermeisten Vergebung der Sünden.
Und sprach D. Luther: Als er ein junger Knab gewesen wäre, da hätte man die Hochzeit und den Ehestand für sündlich und unehrlich Wesen gehalten und gemeint, wenn man an der Eheleute Leben gedächte, so sündigete man dran; aber wer da ein heilig und Gott wohlgefällig Leben führen wollte, der sollte nicht ein Weib nehmen, sondern keusch leben oder Keuschheit geloben. Drüm funde man ihr viel, wenn ihnen die Weiber sturben, so wurden sie Mönche oder Pfaffen. Aber diejenigen haben der christlichen Kirchen wol gedienet, die sich deß befleißiget haben, daß sie den Ehestand durch Gottes Wort herrlich erhalten und geehret haben. Denn jtzt weiß man, daß es ein heiliger und tröstlicher guter Stand sey, wenn ein Mann und Weib bey einander im Ehestand friedlich leben, ob ihnen Gott gleich nicht Leibesfrüchte oder Kinderlein gibt oder sonst oft das Weib Gebrechen an ihr hat.
Ich weiß nicht, ob der Kirche etwas möge gleicher sein denn Amaranthus, diese Blume, die wir heißen Tausendschön. Denn wiewol die Kirche ihr Kleid wäscht im Blut des Lämmlins, wie in Genesi und Apocalypsi stehet, und ist mit rother Farb gefärbet, doch ist sie schöner denn kein Stand oder Versammlung auf Erden. Und sie alleine hat der Sohn Gottes lieb wie seine liebe Braut, an der er alleine seine Lust und Freude hat; an der alleine hänget sein Herz, verwirft und hat ein Unlust und Ekel an allen Anderen, die das Evangelium verachten oder verfälschen.
Ob die Taufe recht sei, obgleich einer nicht gläubte? Antwort Doctor Martin Luthers: »Uns liegt nicht die größte Macht daran, ob der da getauft wird, gläube oder nicht gläube, denn darum wird die Taufe nicht unrecht; sondern an Gottes Wort und Gebot liegt es Alles. Es stehet gar darauf, daß die Taufe nichts anders ist denn Wasser und Gottes Wort bei und mit einander, das ist, wenn das Wort bei dem Wasser ist, so ist die Taufe recht, ob schon der Glaube nicht dazu kömmet; denn mein Glaube machet die Tauf nicht, sondern empfähet die Taufe. Nu wird die Taufe davon nicht unrecht, ob sie gleich nicht recht empfangen oder gebraucht wird, als die nicht an unsern Glauben, sondern an das Wort gebunden ist.«
Zweierlei Fall: Fallen und sündigen geschieht auf zweierlei Weise. Erstlich aus Schwachheit; das wird vergeben, wenn mans erkennet, bekennet und Gott abbittet. Das ander aus Muthwillen und Halsstarrigkeit; das wird nicht vergeben, man erkenne es denn und lasse es ihm leid sein.
Wir achten wol der Sünden nicht groß, sondern schlagens gar leicht in Wind als ein gering Ding, das nichts sei; und wenns schon etwa dazu kömmet, daß uns die Sünde im Gewissen heißet, denken wir dennoch, sie sei so gar groß nicht, wir können sie ja mit etwa einem Werklin oder Verdienstlin tilgen. Wir sollten aber ansehen die Größe des theuren, unmäßigen Schatzes, so dafür gegeben ist, da würden wir denn bald gewahr werden, daß die Sünde so ein groß und mächtig Ding ist, daß wir sie mit unsern Werken und Kräften nimmermehr tilgen können, sondern daß Gottes Sohn selbr dafür hat müssen gegeben werden.
Was der heilige Geist sei: Die Heilige Schrift zeuget, und das Nicänische Symbolum bekennet und lehret aus der heiligen Schrift, daß der heilige Geist sei, der da lebendig machet und der mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und zugleich geehret wird. Darum muß der heilige Geist auch wahrer, ewiger Gott sein mit dem Vater und dem Sohn in einerlei Wesen. Denn wo er nicht wahrer, ewiger Gott wäre, so könnte ihm die göttliche Macht und Ehre, daß er lebendig macht und mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und geehret wird, auch nicht zugeeigener werden; wie die heiligen Väter solches aus der Schrift wider die Ketzer kräftiglich erstritten und erhalten haben.
Niemand dienet aber Gott, als wer ihn lässet seinen Gott sein und seine Werke in sich wirken, wovon droben gesagt ist. Jetzt gebraucht man das Wörtlein Gottesdienst freilich leider in einem so fremden Sinn, daß, wer es höret, gar nicht an solche Werk denkt, sondern an Glockenklang, an Stein und Holz der Kirchen, an das Rauchfaß, an die Flammen der Lichter, an das Geplärre in den Kirchen, an Gold, Seiden, Edelstein der Chorkappen und Meßgewänder, an Kelche und Monstranzen, an Orgeln und Bilder, an Prozession und Kirchgang und an das allergrößte, nämlich ans Maulplappern und Paternostersteine zählen. Dahin ist’s mit dem Dienst Gottes kommen.
Es ist Gott ein Ehre und Ruhm, daß er seinen Sohn hat lassen Mensch werden, unser Fleisch und Blut; welches Geheimniß kein Mensch gnug bedenken noch aussinnen kann. Und wir sind doch so kalt und undankbar! Pfui dich des schändlichen Adams-Fall, daß ich diesen Herrn nicht soll lieb haben, der mich vom ewigen Tode so theuer erlöset hat!
Ich weiß sprach D. M. Luther: Daß Christus uberwunden hat Sünde, Tod, Teufel Und Hölle; deß hab ich gewisse Zeichen und Sigil die Taufe, das Sakrament, das Sacrament des Altars, die Absolution und Gottes Wort. Wollt Gott, daß wirs könnten von Herzen fassen und gläuben, so wären wir seine Doctores und könnten die güldene Kunst und diese Worte getrost und freudig sagen: Christus ist mein Bräutigam! Der Mangel ist nicht an Christo, sondern an uns; darum wankeln und zweifeln wir, und ergreifen Christum sehr kalt.
Christus eigen Werk: Christus hat kein Geld noch Beutel, auch kein irdisch Reich, denn dieselbigen allzumal hat er Königen und Fürsten gegeben. Aber eins hat er ihm furbehalten, das keines Menschen noch Engels Werk und Thun ist, nehmlich, daß er ein Siegsmann ist uber Sünde, Tod, Teufel und Hölle, und kann auch mitten im Tode retten und erhalten, die an ihn durch sein Wort gläuben.
So sind nu alle Creaturen ausgemustert, auch alle Werk, wie heilig sie auch sind, sind rein ausgeschlossen und abgeschälet als nöthig zur Seligkeit. Da ein Werk selig machet, so machen auch Aepfel und Birnen selig. Christliche Gerechtigkeit ist nicht eine solche Gerechtigkeit, die in uns ist und klebet, wie Sonst eine Qualitas und Tugend, das ist, das man bei uns findet oder das wir fühlen; sondern ist eine fremde Gerechtigkeit gar außer uns, nehmlich Christus selber ist unsere formalis Iustitia, vollkommene Gerechtigkeit und das ganze Wesen.
Wir aber sollen und müssen bei Gottes Wort bleiben, was von solchen Sachen die heilige Schrift fürsaget, nehmlich daß Christus wahrhaftiger Gott sei mit Gott dem Vater, und daß der heilige Geist wahrhaftiger Gott sei, und dennoch nicht drei Götter, noch drei Wesen sind, wie drei Männer, drei Engel, drei Sonnen, drei Fenster. Nein, also ist Gott in seinem Wesen nicht unterscheiden, sondern es ist nur ein einig göttlich Wesen. Darum, obs gleich drei Personen sind, Gott Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist, so kann mans doch dem Wesen nach nicht theilen noch unterscheiden. Denn es ist nur ein einiger Gott in einem einigen, unzertheileten, göttlichen Wesen, wie Sanct Paulus von Christo Coloss. 1 klar saget, daß er sei das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Creaturen.
Der Welt höheste Weisheit ist, sich mit zeitlichen, irdischen, vergänglichen Dingen bekümmern, und wie es darnach gehet und geschieht, so spricht sie: Ich hätt es nicht gemeint. Aber der Glaube ist ein gewisse Zuversicht des, das man hoffet und nicht zweifeln an dem, das man nicht siehet, spricht die Epistel an die Ebräer. Er siehet aufs Zukünftige und das nicht furhanden ist. Darum sagt ein Christ nicht: ich hätt es nicht gemeiner; sondern ists gar gewiß, daß das heilig Creuz furhanden ist und kommen wird; darum erschrickt er nicht, wenns ihm ubel gehet und er geplaget wird. Die Welt aber und was in der Welt sicher dahin lebet, kann das Unglück nicht ertragen, gehet stets in Springen und Wollüsten, wie der reiche Fraß und Wanst im Euangelio Lucä, der gönnet dem armen Lazaro nicht die Brocken; aber Lazarus ist Christi, der nimmt sich sein an.
Unsers Herrn Gottes Diener. Doctor Martinus Luther sprach: »Gott will bußfertige Sünder (die sich fur Gottes Zorn, Teufel, Tod und Hölle fürchten und an. Christum gläuben) zu Dienern haben; darum saget David im 34. Psalm: »Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochens Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagen Gemüth haben.« Und im Esaia wird gesaget: »Wo soll mein Geist ruhen und wo soll ich wohnen? Bei denen, die zerschlagens Herzens sind, und die sich fürchten fur meinem Worte!« Solchs thut nu der arme Schächer am Creuz; Sanct Petrus, so Christum verläugnet hat; Maria Magdalena, so von Teufeln besessen war; S. Paulus, der Verfolger. Denen sind ihre Sünde alle leid, und diese wollen von Christo Vergebung der Sünden haben und Gottes Diener sein.«
Worum Gott alles Guts thut durch Mittel: Gott könnte uns wol ohn alle unser Arbeit und Mittel ernähren, aber er will die Hand aufthun, daß man sehen soll, er sei ein reicher Herr; und ist doch Alles ein wunderlich Werk Gottes, daß wir mussen sagen, habens Alles von ihm. Denn wir sehen, daß etliche Wasser Fische haben, da man keine hat eingesetzt; also in dem Bächlin, das durch meinen Garten fleußet, sind seine Hechtlin, Schmirlin, und wenn man: sie ineinander Wasser setzet, so werden große Hechte daraus. Niemand kann begreifen, was fur große Wohlthaten uns Gott gibet durch die vier Element; das Erdreich bringet Bäume, Holz, mancherlei Thiere und Viehe, Erz, Wasser, Getreide, Kräuter; das Feuer wärmet, kocht und seudet.
Gottes Wort ist der Leib, darinnen Gottes Kinder empfangen und geboren werden. Gleich wie in der Welt und im Hausregiment ein Kind zum Erbe wird allein dadurch, daß das Kind ins Erbgut geborn wird, also machet der Glaub allein zu Gottes Kindern diejenigen, so da geboren werden durchs Wort, welches die Mutter ist, darinnen wir empfangen, geborn und erzogen werden, wie der Prophet Esaias am 46. Cap. davon sagt. Gleich wie wir nur durch solche Geburt, die Gott ohn unser Zurhun ausrichtet, Gottes Kinder werden, also werden wir auch durch gleiche Weise Erben; nu wir aber Erben worden, so sind wir frei, ledig und los von Sünde, Tod und Teufel, und haben das ewige Leben und Gerechtigkeit.
Gottes Wort thuts Alles allein. Doctor Lurher sprach: »Gleich wie Gott Alles aus Nichts machet und aus Finsterniß schaffet das Licht, also machet auchs in Wort, daß im Tode nichts denn Leben sein muß. Darum, wer am Wort Gottes hanget und ihm folget, der erfähret zuletzt, was David im Psalm saget: Wenn Gott spricht, so ists gemacht, und wenn ers heißet, so stehets da. Aber ehe man zu dieser Erfahrung kömmet, muß man etwas leiden; denn Gottes Art und Natur ist, aus Nichts Alles schaffen und machen.«
So sehen wir das Leben im Tode. Da glauben wir das Liedlein nicht mehr Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen, sondern da lautet’s: Mitten wir im Tode sind vom Leben umfangen.
Gottes Wort ist ein feuriger Schild Allen, die darauf vertrauen. »Ein feuriger Schild ist Gottes Wort darum, daß es bewährter und reiner ist, denn Gold, das im Feuer probiret; welches Gold im Feur nichts verleuret und gehet ihm nichts ab, sondern es bestehet, bleibet und uberwindet Alles. Also, wer dem Wort Gottes gläubet, der uberwindet Alles und bleibet ewig sicher wider alles Unglück. Denn dieser Schild fürchtet sich nichts, weder fur den Pforten der Höllen, noch fur dem Teufel, Sünde oder Tod, sondern die Pforten der Hölle fürchten sich fur ihme; denn Gottes Wort bleibet ewiglich, es erhält und beschirmet auch alle, die darauf vertrauen. Sonst ohne Gottes Wort hat der Teufel gewonnen Spiel, denn es kann ihme niemand widerstehen, noch sich seiner erwehren ohn allein Gottes Wort; wer das ergreift und daran festiglich gläubet, der hat gewonnen.
Lieber Gott, wie schwer gehen doch diese göttlichen Sachen! Wenn sie nicht durch große Wunder bestätigt wären, sähen sie Fabeln sehr ähnlich.
Der Schächer hat unwissentlich gesündigt und nicht gegen Gottes Barmherzigkeit noch auch durch Verachtung seines Worts. Denn er hat das Wort erst gehört, als er gekreuzigt war. Darum hilft sein Exempel unsern Verächtern und denen, die den Empfang des Sakraments auf die Todesstunde verschieben, nichts.
Durch die Buße verwirft Christus alles Leben, wie herrlich und heilig es auch vor der Welt sei. Aber durch die Predigt vom Glauben zeigt er an, was er von den Menschen getan haben will, nämlich daß sie glauben. Diese beiden sind in einem frommen Menschen unzertrennlich. Trennen sie sich, so überwindet einer den andern.
Wasser oder Bier trinken ist ein Mittel gegen den Durst, ein Stück Brot vertreibt den Hunger, Christus ist ein Mittel gegen den Tod.
Der Glaube hört nimmer auf. Wenn er in Petrus aufhört (Lk. 22, 32), so herrscht er im Schächer.
Darum wenn ihr traurig seid und es überhand nehmen will, so sprecht: »Auf, ich muß unserm Herrn Christus ein Lied auf dem Regal schlagen, es sei ein Te Deum oder ein Benedictus oder dergl. Denn die Schrift lehrt mich, er höre gern fröhlichen Gesang und Saitenspiel.«
Denn Gott hats befohlen, daß ein Mensch den andern trösten soll, und will auch, daß der Betrübte solchem Trost glauben soll wie seiner eigenen Stimme.
Wenn wir auferweckt sein werden, dann werden wir sehen, was wir jetzt geglaubt haben. Wir sind wohl zu heiser und haben nicht die rechte Stimm, dennoch wollen wir mitbrummen, was wir können: Ehre sei Gott!
Erst hat er die Erkenntnis Gottes und gibt Gott die Ehre. Und wenn nu der Teufel und die Welt ihn angreifen, dann macht er aus Dreck Gold wie ein Alchimist. Er steckt so voll Wohlgefallens, daß ihm kein Mensch, kein Teufel und keine Hölle etwas bitter machen kann; ist’s aber bitter, so macht er’s süß.
Die zehn Gebote hören nicht auf, nicht allein um der Bösen willen, sopdern auch um unsertwillen, damit wir sähen, wie wir zunehmen (geistlich). Aber Furcht sollen sie uns nicht mehr machen, von der Furcht sind wir frei.
So soll ein jeder im Tode denken und sich trösten: der Herr und Heiland ist gekommen und ist dazu geboren und mir gleich geworden, daß er mir freundlich zusprechen und die Wort ins Herz hineintreiben will: Fürchte dich nicht!, ich bin kein Wolf, Bär, Leu und will dich nicht zerreißen, bin auch nicht dein Teufel, der dich wegführte, sondern ein Heiland und will dir helfen aus aller Not, aus der dir weder Mensch noch Engel helfen kann; ich will in den Schlamm treten und nicht wieder heraus gehen, ich nähme dich denn mit.
Gott verheißt nicht nur, er werde Nothelfer sein, sondern gebietet auch, daß man ihn dafür halte. Die Juden hat er aus Ägyptenland geführt. Aber solches ist nichts gegen die Wohltaten, die er den Heiden getan hat. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen. Der führt uns nicht allein durch ein Rotes Meer, sondern durch 100 000 Rote Meere und Wüsten.
Zuvor gab Gott Himmel und Erden zum Pfand für das erste Gebot Ich bin der Herr, dein Gott: sind die Wort zu schwach, so schaue Himmel und Erden an, die dir dienen. Sind auch die zu schwach, so schau den Sohn an: er kam nicht in Gestalt eines Engels, nicht in Feuerflammen, viel weniger als ein Bär, sondern in deiner Gestalt, von einer Jungfrau geboren, in lauter sanftem Wesen; daß du nicht erschrecken müßtest. Wer da nu sagen könnte, daß er sich dieser Predigt annähme, der ist ein Christ.
Nicht gesandt ist er euch und kommt nicht mit Macht und Reichtum, nicht wie ein Stein, sondern ist euch geboren. Und wie geboren? von einem Weibe. Was vom Weib geboren wird, ist Mensch. Er ist nicht gebacken oder geschnitzt, wächst auch nicht aus der Erde, sondern kommt aus einer Mutter Leib.
Im ersten Gebot liesest du: Ich bin der Herr, dein Gott. Da gebietet er mit höchster Macht, daß wir sollen vertrauen und hoffen, wie auch Christus zum Gichtbrüchigen spricht: vertraue, mein Sohn. Er spricht:Ich bin der Herr, dein Gott.
Die also erschrocken sind durch das Gericht Gottes, die werden aufgerichtet, denn die ganze Schrift schreit laut: Tröstet, tröstet, fürchtet euch nicht! Das ist die rechte Engelspredigt und gehört den Erschrockenen. Dem Glanz mußte Erschrecken und Buße folgen und der Buße der Trost.
Es ist eine vergebliche Predigt, wenn man einem Fröhlichen sagt: fürchte dich nicht! Desgleichen umgekehrt, wenn ich zu einem von der Pest befallenen spräche, er solle zittern und der Teufel solle ihn holen. Desgleichen wiederum bei einem Reichen. Es soll nicht sein, daß man dem Angefochtenen weitere Anfechtung zufüge oder die Erschrockenen erschrecke und umgekehrt.
Der Segen ist, daß Tod, Sünd und Hölle aufgehoben, das Gesetz, das uns Tag und Nacht geplagt, erfüllet und an deren Statt ein frei sicher Leben ohne Furcht sein soll, nicht in schönen güldnen Kleidern, sondern in Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Dem Traurigen soll man nicht Traurigkeit auflegen, sondern er soll den Schlüssel ergreifen, der da vergibt – das heißt die Schrift recht gedeutet auf die Person. Ich soll sprechen: »Sei getrost, mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben« (Matth. 9, 2).
Wir aber wollen danken, daß Johannes das Neue Testament angefangen hat. Denn Christus selber spricht (Matth. 11,13): das Gesetz und die Propheten regieren bis auf Johannes. Denn Gesetz und Propheten sagen die glückliche Zeit an, da ein andres Reich kommen wird, welches Johannes anfangen soll und welches soll des Alten Testaments Ende sein.
Den Glauben nennt man ein gewöhnlich Ding und will etwas Besondres beginnen, als hätt man den Glauben längst erstritten. Sie haben gesagt: Der Glaube ist ein gewöhnlich Ding, willst du den Glauben predigen, so geht zu den Heiden. Christen muß man etwas andres predigen, nämlich daß sie eine Kutte anziehen sollen und dgl. Ich hab den Glauben kaum angefangen, ja, bis ans Grab hab ich dran zu lernen. Ich kümmre mich nicht um die Lehre von den Werken, sondern bete nur: hilf mir zuvor, daß ich fest glauben kann.
Darum muß man zur Historie den Glauben hinzutun, denn ohne ihn ist das Sakrament nichts nütze, denn um des Glaubens willen ist es eingesetzt. Ist der Glaube da, so hat man Vergebung der Sünden und Erlösung vom Tode.
Ich will wahrlich glauben und darauf sterben, daß die Worte so lauten: »Das ist mein Leib, der für euch gegeben ist. Da solls nicht beim Bedenken bleiben, sondern ich glaube, daß Christus wahr spricht. Wenn du es empfängst, so ist das ein Werk, aber dabei bleibe ich nicht, das kann die Maus auch. Du aber richte dich darnach: er ist für mich gegeben, sein Blut für mich vergossen, es soll eine Gabe sein und dein sein. Das fasse! Womit? Mit dem Herzen.
Denn wenn die Stiftung Christi hinweg ist, so sind auch Wort und Glauben hinweggenommen. Und darnach hat es die gewöhnlichen Messen gegeben für die Wandersleute, daß das Bier wohl gerate, die Weide und Schafe wohl geraten. Aber dazu sind Messe und Sakrament nicht gestiftet, daß das Bier wohl gerate. Dafür hat Christus nicht gelitten. Was ihm zu Herzen geht, ist, ob ich das ewige Leben oder den ewigen Tod haben will.
Man sieht und greift die Worte nehmet, esset, das ist mein Leib… zur Vergebung der Sünden; dennoch hat man die Kunst erdacht, sie nicht öffentlich zu sprechen, sondern nur leise zu wispern, und auch dies nur einmal im Jahr. So ward der Glaube verdeckt und nur die wenigsten haben diese Worte recht bedacht. Darum müssen wir diese Worte wieder hervorrücken und das Sakrament geben und von Christus singen und sagen, zumal wenn wir das Sakrament empfangen. Dann bleibt auch das Wort, daß er für uns gestorben ist. Wenn das bleibt, bleibt auch der Glaube, daß er uns vom Tod erlöst und von Sünden gewaschen hat. Die Stiftung ist fest und gewiß.
So lernen wir den Glauben und hüten uns vor falschen Propheten. Wenn diese Grundfeste bleibt, dann kann ich leicht schließen: niemand kann in seinen Sünden Gott so dienen, daß sie ihm vergeben werden. So sind wir alle in der Irre gegangen (Jes. 53, 6), auch auf den scheinbar besten Wegen, aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Dort liegen die Sünden aller Propheten und Apostel. Wer darum heilig wird, der wirds durch Christus.
Nicht du hast mir gedient als deinem Gott, sondern ich muß dir helfen, spricht der Herr: dein Opfer tuts nicht, außer es ist ein Lobopfer, das du bringst, weil du schon erlöst bist, ich aber muß schwitzen und arbeiten an deinen Sünden. Wer nur das rechtwüßte und glaubte, daß die göttliche Majestät, der wir billig dienen sollten, uns dienen muß! Darum predigen und treiben wirs allezeit, damit die Menschen es bedenken sollen: die Sünde, die Christus trägt, ist meine Sünde.
Es ist wohl wahr, daß man die Passion Christi herzlich bedenken soll. Denn sie ist größer, als man denken kann. Und die hohe Person, die da leidet, ist kein Mörder, kein Petrus und Paulus, auch kein Engel, sondern ein unschuldiger Mensch, der zugleich Gottes Sohn ist. Der stirbt. Siehe nur zu, daß du die Person hoch machst, dann wird auch die Passion so groß wie keine andre.
Man kennt die christliche Kirche nicht an den Hüten, sondern an diesen zwei Zeichen, daß sie nämlich an Christus glaubt und durch diesen Glauben selig ist, darnach daß sie demütig ist und einer dem andern gibt und vergibt.
Und vom Sakrament halten wir, daß wir ihm glauben sollen. Denkt an mich: das ist der Glaube. Wascht einander die Füße: das ist die Liebe. Das sind kurze Worte, aber sie fassen viel in sich. Darum soll man zusehen, daß die Lehre vom Glauben rein sei und das Fußwaschen nicht ein Dreckwaschen sei, sondern wahre gute Werke lehre.
Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden. Desgleichen 1. Petr. 5 (V5): Seid einander untertan und haltet fest an der Demut. Ein jeder soll denken: mein Nächster ist vor Gott besser als ich. Der Mann soll denken: vor Gott ist die Frau besser als ich. Desgleichen die Frau. Das hieße die Fußwaschung nicht allein mit den Händen, sondern mit dem Herzen gehalten.
Ihr nennt mich Meister und Herr und saget recht daran, denn ich bin es auch (Joh. 13, 13). Er will sagen: ich bin unter euch der, der dient; ihr sitzt, ich liege auf den Knien, auch vor Judas. So soll es in der Kirche zugehen, daß keiner über den anderen herrsche. In der Welt ists anders, da herrschen Ruten Schwert und Rad und haben Recht über Leib und Gut. In der Christenheit aber soll einer des andern Knecht sein und soll es so tun, daß es ein Ernst ist und keine äußerliche Macht: ich soll mich für geringer halten als meinen Nächsten.
Christus hat seinen Jüngern das Sakrament und Predigtamt gestiftet, damit sie seiner gedächten. Darnach zeigt er nur auch die Liebe an und wird ihr Knecht. Und setzt sich selber als Exempel daneben von dem, was Dienst ist, und macht sich selbst zum Knecht und wäscht all den Seinen die Füße.
Ich höre seine Worte: nehmet, esset, das ist mein Leib. Wenn ich nicht weiß, wie es zugeht, so ist das nicht seltsam; weiß ich doch auch nicht, wie es zugeht, daß ich lebe. Es ist da ein besondres auserlesenes Werk. Und ich sage: Er ist allmächtig. Er hats gesagt, daß ich taufen und mit dem Wasser von Sünden reinigen soll. Wenn ichs auch nicht verstehe, da liegt nichts dran.
Christus will sagen: »Ich will nicht, daß ihr dies Sakrament des Leibs und Bluts ein jeder im Winkel und heimlich halte, so daß es niemand sieht und hört, sondern es soll von mir gepredigt und öffentlich bekannt werden, daß ich für euch gestorben bin; vor der Welt sollt ihr mich bekennen und verkünden und durch solche Predigt und Sakrament geweidet und gestärkt werden.«
Diese Worte sind licht und klar, nicht finster noch dunkel. Man weiß wohl, was nehmen essen und trinken heißt. Diese Worte sind auf dem Markt bekannt. Da sie so dürr hell und klar sind, sollen wir auch dabei bleiben. Dazu ist dies Sakrament gestiftet, wenn er sagt: »Das tut zu meinem Gedächtnis.« Es ist seine Ordnung und Gebot, gleich wie er auch sagt: »Geht dahin und taufet!« Solches tut! d.h. daß ihr das Brot nehmt und dabei sprecht: »Das ist mein Leib.« Das ist, will Christus sagen, meine Stiftung, das sollt ihr treiben und üben, und besonders zu meinem Gedächtnis sollt ihrs tun.
Denke nicht, daß er ein Klotz und Stein gewesen ist. Und der blutige Schweiß zeigt auch an (Lk. 22, 44), daß er einen andern Schmerz im Herzen fühlte als wir. Er· ging in Gedanken einher, wie ein Mensch, der zum Tod verurteilt ist. Darum war ihm der Tod am allerbittersten. Denn wir liegen ihm alle auf den Hals und Gottes Zorn dazu. Es ist ihm zumut gewesen wie einem verdammten Menschen.
So hat Christus das Gesetz erfüllt, Passah gehalten nach dem Gesetz am Abend und mit seinem Leibe das wahre Passah erfüllt. So ist an einem Tage das Passah Moses und das wahre Passah geschlachtet und ging die ganze Nacht und den folgenden Tag bis zum Begräbnis. Da hört das alte Passah auf, weil das wahre Passah kommt.
Aber er kommtt nicht, daß er Gold und Silber bringe, sondern durch sein Elend, dadurch daß er Sünder wird und stirbt, durch diese beiden gibt er die Vertilgung der Sünden, daß du ewiglich heilig seist. Er kommt nicht reich und mächtig, sondern als ein Gerechtmacher, der von Sünden helfen und mit ewiger Gerechtigkeit schmücken soll, nicht mit Seide und Ketten am Hals, sondern als ein Heiland und Gerechtmacher, der dich vom Tod und all den Plagen befreien soll, die der Teufel im Paradies auf uns vererbt hat.
Denn Gott hat beschlossen, daß in diesem Menschen alles sein soll. Die ganze Gottheit ist leiblich in ihm und nicht allein geistlich wie bei andern Menschen. Was Gott genannt werden kann, ist leiblich und persönlich in ihm. Alle Weisheit und göttliche Macht ist in ihm, doch zugedeckt mit einem ärgerlichen Bild. Der Vater der Sohn und der Heilige Geist sind ein Gott, und der ist in ihm. Außer diesem Bild ist kein Gott. Darum sieht die ganze heilige Schrift und alle Kreatur auf ihn. Wenn sie diesen vorübergehen lassen, war Gefahr, daß sie Gott niemals finden.
Er wußte wohl, daß das aufs höchste Anstoß erregen wird. Darum will er nicht im Verborgenen kommen und sie genugsam warnen und kommt daher mit großer Menge, läßt sich loben und singen: gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Er reitet auf einem Eselsfüllen ein und tut ein großes Wunderzeichen hart vor der Nase von Bethanien, so daß alle Leute herzulaufen.
Drum sollen wir danken und Gott loben und Lust und Freude dran haben, daß Christus sich in unser recht natürlich Fleisch gesenkt hat. Er hat nicht Steins- oder Engelsgestalt angenommen, sondern ist in unser Fleisch gekommen.
Aber nicht also, sondern so soll er als Heiland gepredigt werden, daß du Freude und Lust an ihm habest, weil er von den Toten auferstanden ist. Mir ist’s mehr als ein Lied von einer fertigen Sache. Es ist etwas mehr als eine einmal geschehene Geschichte, nämlich ein Geschenk, das ewig bleibt. Mir ist er geboren. Die Geburt ist wohl in Bethlehem geschehen, aber ist mir geschenkt. Und dies Geschenk bleibt ewigliche
Glaube du, daß Christus empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, aber siehe zu, daß du aus der Geschichte dir eine Gabe machest, daß Christus dir empfangen, geboren und gestorben sei. Da übe deinen Glauben, daß er täglich fester werde und Lust und Freude dran bekomme. Und ob auch von Petrus und Paulus die Rede ist, sie sind nur Bächlein; Christus ist die Quelle, in ihm ist alle Weisheit und Wahrheit. Andre haben Stücke und Brocken, er ist die ewige Quelle.
Ich aber möcht viel lieber aus der Quelle selber trinken d.h. viel lieber aus der Bibel die Lehre des Evangeliums schöpfen als aus den Vätern. Süßer trinkt aus dem Quell sich der köstlich erfrischende Trank. Selig sollten wir uns sprechen und Gott danken,· daß wir die Gnade haben, sein Wort genugsam zu hören.
Wer sich in Gott freuet, muß eine Ursach haben: man erkennt ihn nicht in seinem Wesenskern, sondern durch sein Wort und Werk. Paulus sagt, er sei uns sehr nahe und wir könnten ihn greifen. Wir sehen, wie er uns erschaffen, uns Leib und Seele, Sonne, Mond, Himmel und Erden und was zur Nahrung gehört, gegeben hat. In diesen Dingen läßt er sich greifen und schauen. Drum zählt auch Maria die Wohltaten und Wundertaten daher, dadurch sie ihn erkannt hat.
Er aber setzet sich gegen uns als ein Knecht, wäscht uns die Füße, gibt uns Brot, dient hernach der ganzen Welt und wird ein Knecht. Er spricht (Joh.13, 13 f.): Ihr nennet mich Meister und ich bin es auch. Da werden die Gaben auch nicht verleugnet. Aber der Herr fährt fort: so nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. Die Gaben, vornehmlich die Gaben des Heiligen Geistes und dergleichen, werden gegeben, nicht daß wir hoffärtig werden, sondern daß wir einander dienen.
Es ist nicht Demut, wenn einer leugnet, die Gaben zu haben, die Gott ihm gegeben hat. Wenn einer mich daran erinnerte, daß ich Augen hätte, und ich wollt mich demütigen und sagen: ich hab keine Augen noch Hände, sondern zwei Pferdspfoten, was wäre das? Warum sollt ich leugnen, daß ich gelehrter bin als Papisten, wenn mir’s Gott gegeben hat? Vielmehr soll man Gott Dank sagen, daß er Augen, Geld, Haus, Hof, Weib, Kind gegeben hat.
Wenn nun der Glaube solches tut an Fleisch und Blut, die zur Sünde geneigt sind, und hier, wo noch nicht erschienen ist, was wir sein werden, was wird doch dann geschehen, wenn man sehen wird, was man jetzt glaubt, und wenn offenbar wird, was jetzt verborgen ist! Wenn solche Veränderung an Leib und Herzen geschieht, obschon wir nur hören (von Gott) und obschon es alles noch ohne äußeren Schein und ohn Verdienst zugeht, so wird dort noch größere Gerechtigkeit, Sicherheit und Friede sein und wir werden gänzlich ertrinken in lauter Freude und Wonne ewiglich.
Und wiederum wenn traurig Wetter ist und der Glaube schwach ist und schläft, dann kann man aus dem Menschen kein Lachen bringen, sondern sauer ist sein Anblick und kann nichts ertragen. Wenn aber das Herz wahrhaft erleuchtet ist, dann kann’s reden, leiden und tun und alles lachenden Mundes.
Christus unser Herr hat sein Blut für uns vergossen. Das hört man gern. Wenn du aber sprichst: du sollst glauben, daß er das für dich getan habe, und darnach auch diesen Glauben bekennen, nicht geizen, zusammenscharren und Unzucht treiben, dann brennt der ganze Rhein! Nein, sprechen sie, man soll die Leute nicht strafen, wir sind doch alle Christen, Gott hat und von unsern Sünden erlöst! Wenn man ein wenig die Wahrheit sagt und das Unrecht straft, dann murren die Junker in der Stadt alsbald.
Darum ists gut, daß man einmal im Jahr die ganze Passion hört, damit die Einfältigen und die jungen Leute sie hören lernen und behalten. Man darf hier nicht viel scherzen. Wenn zwei oder drei Jahre Christus nicht gepredigt würde, so wäre seine Erkenntnis gänzlich aus den Herzen ausgetilgt. Wir sehens ja vor Augen, wie mächtig der Teufel ist. Ich erfahrs auch bei mir selber. Wenn ich zwei Tage lang Christi nicht gedenke, so werd ich matt und träge. Was soll dann erst mit denen werden, die etliche Jahre lang nichts von Christus hören? Darum haltet euch allezeit an die Predigt, denn der Feind, der Teufel, gießt kalt Wasser drein, hindert und zerstört.
Wenn aber ein Prediger kommt wie Christus, so macht er aus Mose das Evangelium, so daß lichtes Feuer daraus wird. Sonst bleibts lauter Fels und finster. Darum ist das Wort Gottes wohl überall, aber es gehört noch dazu, daß der Heilige Geist es im Herzen erklärt.
Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Wer kann solche Liebe genug aussprechen und solchen Schmuck genug beschreiben? Sein Herz ist so voll Feuer und großer Liebe, die niemand begreifen kann. In großem Schmerz und großer Schmach tut er dennoch, als fühlte ers nicht, und denkt allein an unsre Sünden und Gottes Zorn. Ist das nicht Liebe?
Dir zugut und deiner Seele zu Trost, Stärkung und Erlösung ist es gegeben, je länger je mehr sollst du der Sünde Feind sein und ein desto stärkerer Christ werden. Christus steckt dich in der Taufe nicht dazu ins Wasser, daß du darin ersaufen sollst, sondern daß du von den Sünden erlöst werdest.
Er legt uns kein schweres Werk auf. Essen und Trinken ist das leichteste Werk, nichts tun die Menschen lieber. Es ist das fröhlichste Ding auf Erden, wie man spricht: vor Essen kein Tanz! Oder: auf einem vollen Bauch steht ein fröhlich Haupt! Es ist ein lieblich und nötig Werk und lernt sich aufs leichteste. Dahin weist er sie, auf eine fröhliche süße liebliche Mahlzeit und will ihnen kein hartes Werk auflegen. Nichts von Kappen, nichts von Wallfahren in Waffen nach Jerusalem; Beschneidung, Schlachten von Tieren, Kleiderwaschen und Kehren wie im Gesetz, sondern er spricht: »Da habt ihr das Abendmahl, wenn ihr zusammenkommt und von mir predigen und lehren wollt, dann nehmt Brot und Wein und sprecht meine Worte darüber, dann ists mein Leib und Blut.«
Wie geht das zu, daß die Zung im Munde klappert, sich regt und eine Sprache daraus wird? Kein Mensch kann sagen, wie ein Haar wächst. Es ist ein verdrießlich Ding, wenn man dann bei Gottes Werken so handeln will. Wenn wir das nicht fassen, darin wir leben und schweben, wie sollen wir fassen können, was Gott allein anzeigt und darinnen wir nicht leben?
Dafur hat unser Herrgott müssen ein Exempel geben, um uns zu lehren, daß wir Gott mehr schuldig sind als Menschen und Eltern. Wenn’s zum Treffen kommt, daß man entweder den Vater oder Gott lassen muß, dann muß man sprechen: ich muß sein in dem, das Gottes ist. Außer diesem Fall aber will ich gehorsam sein.
Sein Wort und Befehl gehen vor, darnach soll ich auch tun, wasI Vater, Mutter, Fürsten und Herren haben wollen. Aber ich soll nicht den Wagen vor die Pferde spannen.
So wollt unser Herrgott auch gern, daß wir sein Wort fleißig in unsern Herzen bewegten und uns so einbildeten, daß es uns schier zur Natur würde. So heißt’s im Hohenlied (8, 6): »Drücke mich in dein Herz wie ein Siegel. Wie ein Brandzeichen soll es sein, daß nicht auf dem Herzen schwebt nur wie ein Schaum auf dem Wasser oder Geifer auf der Zunge, die da aufspritzen. Ich wollt, spricht er, daß es ins Herz gedrückt würde und ein Malzeichen bliebe, daß niemand auswischen könnte, als wär es natürlich drin gewachsen und ließe sich nicht auskratzen.«
Was einer nicht weiß, das gibt ihm weder Lust noch Unlust, sondern ist, als wäre es nie gewesen. Drum ist das das rechte Stück in diesem Evangelium, daß der Engel mit seinen Gesellen die geschehene Geburt offenbart und anzeigt, welchen Schatz Gott uns gibt, damit wir nicht hingingen und hätten den Schatz und wüßten ihn doch nicht zu brauchen.