Nenne mir einen, der nicht unzufrieden ist mit dem Seinigen und vielmehr Wohlgefallen habe an dem, was der Herr ihm aufgetragen hat, und desselben mit Fleiß warte. Wir werden die Hirten vor allen heilig sein lassen müssen. Ich zum Exempel soll ein Prediger und Leser sein; aber wenn’s bei mir stünde, ließ ich’s lieber anstehn. Die Schwärmer wiederum sollten schweigen und nicht lehren; aber die können nicht schweigen. Desgleichen soll ich beten und schreiben und bin zu träge dazu. Desgleichen haßt jeder Ratsherr sein Amt und möchte ein jeder lieber ein andres. Der Freie sucht Bindung, der Gebundene sucht los zu werden. Bist du ein Ratsherr oder Richter, so sollst du’s gerne tun. Ein Ehemann, ein König und Herr sollten fleißig sorgen. Aber der Ehemann denkt: o hätt ich kein Weib, o wär ich König oder einer vom Adel! Ein jeder spricht: o wär ich! Aber wir wollen das Evangelium hören: der beste Stand, den du haben kannst, ist der, in dem du bist!
WA 29, 687 f.
Veröffentlicht unter luther, Luther WA 29